Donnerstag, 28. Oktober 2010

Mitternachts-Routine Spezial

Mitternachtsroutine?

Ne, nich falsch verstehen! So etwas wie eine Mitternachtsroutine gibts hier nicht! Nixda mit mitten in der Nach aufstehen oder so! Deswegen auch der Bindestrich.

Ich habe nämlich Heute eine Geschichte zu erzählen die sich mitten in der Nacht abspielt und mehr mit Routine zu tun hat als es vielleicht den Anschein hat.

Die Geschichte spielt sich jetzt gerade ab. In diesem Moment in dem ich sie aufschreibe. In ein paar Stunden wird sie vorbei sein, aber das ist jetzt auch egal, denn jetzt geht es erstmal darum die Geschichte fortlaufen zu lassen und sie gleichzeitig festzuhalten.

Ganz einfach: es ist zehn Minuten nach Mitternacht, wenn ich fertig bin ist es wahrscheinlich viel später, aber das tut nix zur Sache. Damit wäre schonmal das Mitternacht erklärt!

Bleiben noch die "Routine" und das "Spezial". Beide eigentlich auch ganz einfach: Routine weil sie mir fehlt, und spezial weils unerwartet kommt und ich erst vor einer halben Stunde entschieden habe jetzt zu schreiben. Nicht ganz freiwillig, das geb ich zu, aber ich bin definitiv selber Schuld.

Jetzt mal zur Geschichte: die Geschichte ist eigentlich egal wenn man bedenkt was ich euch so mitgeben will, aber dafür hat sie was lustiges. Sie spielt auf dem Flur in der ersten Etage des St. Christopher's House. Protagonist bin, Wunder-oh-Wunder, Ich. Nebendarsteller sind genau betrachtet alle die hier leben, und das Leben hier gestalten. Anwesend ist aber nur einer von denen: Lewis.

Lewis, manchen vielleicht schon bekannt, ist 16, Autist und Epileptiker und liegt seelenruhig 3 Meter hinter mir auf der Couch und pennt! Ganz entspannt möchte man denken, so wie ein Teenager eben aufm Sofa schläft! Oder egal wer und wie alt! Sofaschlafen halt!

Dass Lewis nicht in seinem Zimmer schläft, dürfte euch ja schon bekannt sein. Normalerweise schläft er auf einem anderen Sofa aber es macht jetzt keinen Sinn ihn aufzuwecken vor allem weil er dann wahrscheinlich garnicht mehr schlafen würde für den Rest der Nacht. Genauso wie ich es versuchen werde.

Haha! Ihr habts gemerkt: ja, das Ziel ist es nicht zu schlafen. Warum? Naja, Nachts sind ja normalerweise “Night-nurses” (Nacht-schwestern) im Haus die auf die Kinder aufpassen damit wir auch mal schlafen können. Nach diesem Satz brauch ich jetzt auch kein Geheimnis mehr draus zu machen: die “Night-nurse” für heute Nacht ist nicht da!

Schon wieder ein nerviges “Warum?”, dass die Geschichte nur noch langatmiger macht, aber in diesem fall prägt es sie wenigstens auch und über Umwege werd ich das jetzt erläutern. Die Night-nurses sind keine direkten Angestellten, sondern werden von einer Firma, die sich auf solche Dientsleistungen spezialisiert hat, geschickt. Wie das nunmal heutzutage so üblich ist.

Hat den Vorteil: ist billiger.

Hat den Nachteil: ist unzuverlässiger.

Also ist Heute die Night-nurse nicht erschienen! Was eigentlich keine Problem ist, denn dann kann man einfach bei dem Laden anrufen und die schicken jemand anderen.

Und da tritt unsere geliebte Routine ins Rampenlicht!

Wie in meinem letzten Eintrag berichtet gibt es ja zu jedem Schichtwechsel ein kleines Gespräch in dem besprochen wird wies so geht und was es so zu beachten gibt etc. . Das hat heute nicht stattgefunden. Der Grund ist simpel: ich hab nicht dran gedacht und die night-nurse war nicht da um mich dran zu erinnern.

Ergebnis: Ich bin ganz entspannt zu unserem Mittwöchentlichen “house-evening” gegangen und hab Lewis alleine gelassen (schlimm genug, aber er hat die 1,5 Stunden zu meinem Glück schadlos überstanden und seinen Frieden genossen). Besser wurde es danach!

Helen, meine “Supervisorin” (gut eingedeutscht, ich weiss), kommt auf mich zu und macht mich auf meinen Fehler Aufmerksam. Ich hatte nach 19 Tagen ohne die tägliche Routine, diesen Wichtigen Teil vergessen. Im diesem Notfall macht man folgendes: man ruft unsern geliebten Dienstleistungszulieferer an und sagt: “Euer Kerl is nich gekommen!”. Da man das aber in der Regel schon macht wenn der 15-20 Minuten zu spät ist, sagt der auch in der Regel: “Ja ok ich ruf ihn an und schick ihn rüber oder besorg nen neuen oder so!” Im Grunde: “Wir regeln das schon, ein bisschen Geduld bitte!” Da mein Anruf aber nicht der Regel entsprach, lautete die Antwort: “kommt n bisl spät der Anruf, ich schau was ich machen kann und ruf in 5 Minuten zurück!”

Zu dem Zeitpunkt war es dann auch schon 22:00 Uhr. Um 23:00 Uhr kam mir das dann ein bisschen komisch vor. Also: nochmal angerufen. Die Stimme am anderen Ende der Leitung war auf einmal viel angenehmer, hatte aber auch keinen schottischen Akzent mehr. Stellte sich heraus: die nette schottische Dame hatte schon Feierabend und es nicht mehr geschafft einen Ersatz zu besorgen. Deswegen wurde ich nach England in die Zentrale durchgestellt die mir diese Nachricht dann überliefern durfte.

Nach einem kurzen Brainstorming mit Rodrigo und Jessica war dann klar: ich bleib hier, so wach wie ich es schaffe und pass auf, dass Lewis im Falle eines epileptischen Anfalls versorgt wird!

Da Rodrigo so oder so noch wach war, hat er kurz aufgepasst während ich schnell runter gerannt bin, meine Zähne geputzt hab, ne Jogginghose angezogen hab, meinen Laptop eingepackt hab und wieder hochgerannt bin! Jetzt sitzt ich hier und schreibe um wach zu bleiben (und euch auf dem laufenden zu halten natürlich).

Ich hoffe, dass man das meinem Schreibstil nicht allzudoll anmerkt, und dass ich jetzt nicht zu viel schreibe. Nicht dass am Ende keiner mehr liest weils zu lang ist.

Andrerseits komm ich ja auch immer seltener dazu hier zu schreiben. Deshalb jetzt und hier die einmalige Chance eine Pause einzulegen, und nächste Woche den selben Beitrag weiterzulesen. Nur n Vorschlag für die, die eigentlich jetzt gerade keine Zeit haben :D!

Was lehrt uns jetzt eigentlich diese Geschichte? Naja, die meisten von euch werden daraus wohl kaum lernen, ist ja nicht so einprägend und so wenn einem das nicht selber passiert! Aber ich werd vielleicht, bzw. Hoffentlich daraus lernen! Nur was?

Nachts schreibts sich besser... *
Nachts ist es ziemlich ruhig hier...**
Nachts fallen einem die Augen noch viel eher zu als tagsüber...***
Schwarzer Tee hilft beim wachbleiben...****
Und und und!

*bis hier: ca. 1000 Wörter in ca. 40 Minuten! Hätt ich mal sonen Schreibflash in ner Deutschklausur gehabt!
**nur die klischeehaft laut tickende Uhr nervt!
***Ho scoperto l'america! Ich bin n' ganz heller anscheinend!
****auch nicht ewig :/

Funny Story: bin grad runtergegangen um neuen Tee zu machen! Erkenntnis: schon scheisse wenn man die letzte Stufe übersieht und nichmal besoffen ist dabei. Aber nochmal glück gehabt, ist nix passiert!

Volle Konzentration jetzt aber nochmal! Augen auf den Bildschirm, Rücken grade, am Tee nippen, feststellen dass er noch zu heiss ist zum trinken, sich drüber freun weil man eigentlich den Scheiss so oder so satt hat und weiterschreiben nicht vergessen!

Zurück zum Thema: “Routine und was draus lernen und so”!

Hier in Camphill wird einem immer erzählt: Routine ist ganz wichtig für die Kinder! Warum? Routine gibt Sicherheit.

Solange die Kinder einen Routinierten Tagesablauf haben, solange sie sich sicher sein können zu wissen was als nächstes kommt, sind sie viel Ruhiger. Damit ist nicht gemeint, dass Hyperaktive Kinder auf einmal chilln, sondern dass sie ganz offensichtlich Sorgenfreier sind solange sie ihre Routine haben. Natürlich ist es nicht möglich eine 100%ig routinierte Welt für die Kinder zu erschaffen, wäre ja auch ein langweiliges Leben. Ein Bisschen, müssen sich auch die unsichersten anpassen. Hier kommt jetzt das Vertrauen ins Spiel. Solange das Kind seiner engsten Umgebung vertrauen kann, kann diese auch mal hier und da improvisieren bzw. sich verändern. Dass es Idioten wie mich gibt, die sowas grundlegendes wie Heute verplanen, nennt sich einfach Realität! Müssen die Betroffenen halt mit Leben. Bis jetzt scheine ich aber Glück zu haben, denn es ist schon 1:15 Uhr und Lewis schläft immernoch wie ein Stein :D.

Zu den Stichworten “Routine” und “Vertrauen” fällt mir aber zu eurem Leid noch mehr ein! Nach einer gewissen Zeit, in der man sich mit einer bestimmten Routine Vertraut gemacht hat, fängt man an ihr blind zu vertrauen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen an dem einem solche Fehler unterlaufen!

Genug der Pseudoweisheiten jetzt aber!

Ich war im Urlaub und davon wollte ich euch eigentlich schon vor einer Woche berichten. Wie das nunmal leider ist bin ich aber aus verschiedendsten Gründen (hauptsächlich einfache Faulheit) nicht dazu gekommen.

Ich bin vom 11en bis zum 18en Oktober den West Highland Way gelaufen. Ich könnte jetzt versuchen die ganzen 7 Tage einzeln aufzuarbeiten, aber das wär sowohl für mich als auch für euch langweilig! Deswegen nur Stichprobenartig.

Startpunkt der Reise: Glasgow!
Ziel: Fort William!
Strecke: ca. 170 Km.
Transport: zu Fuß.
Übernachtung: Zelt und 2 mal im Hostel.
Gepäck: alles was man zum Leben braucht, sprich zwischen 20 und 30 Kilo pro Rücken.
Teilnehmer: 6 und nach drei Tagen nur noch 4.
Gründe dafür: eine musste aufgeben und einer wollte nicht mehr wirklich.
Sinn des Ganzen: Verschiedenes.

Ergenbnis: Ein wunderbarer Urlaub! Eine neue Erfahrung! Viele tolle Bilder (in meinem Kopf und auf anderen Computern, bald auch hier wahrscheinlich)! Sich selbst und die anderen näher kennengelernt und vor allem: mal ganz unbekannte körperliche Grenzen kennengelernt.

Die Schottische Landschaft ist tatsächlich so schön wie man sie aus Erzählungen kennt. Täglich stellte sich die Frage: Warum bis nach Neuseeland reisen um den Herrn der Ringe zu verfilmen, wenn die wahre Inspiration doch so intakt ist?

Täglich sind wir über steinerne Brücken gelaufen und konnten uns wie Hobbits fühlen: mit viel Gepäck auf dem Rücken auf einem Abenteuer. Die Frage ob es wohl eher das Auenland sei, oder das Teletubbieland stand mehrmals in der Luft. Mal hat sie jemand ausgesprochen, mal wurde drüber diskutiert und mal war das alles garnicht nötig. Geniessen konnte man die Landschaft zum Glück jedes Mal.

Zwei Tage der Reise führten am berühmten Loch Lomond vorbei, welches als schönstes Loch Schottlands gilt und obwohl ich jetzt kein großer Kenner bin reihe ich mich gerne in die Reihe derjenigen ein, die das behaupten. Das Loch ist so schön, dass die inoffizielle (und eigentliche) Nationalhymne Schottlands von ihm handelt. Wenn Schottland im Fussball gewinnt oder England verliert, ertönt auf den Rängen, in den Pubs und auf den Straßen:

O ye’ll tak’ the high road
and I’ll tak’ the low road
And I’ll be in Scotland afore ye
For me and my true love will never meet again
On the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond...



Nach zwei Tagen die man also am Loch entlang läuft, gehts dann in die Highlands und der eigentliche Teil der Reise beginnt! Unbewohnte Flächen soweit das Auge reicht. Keine Häuser, wenige Strassen und Schafe und Kühe die mal auf dem Weg und öfters neben dem Weg stehen. Mittendrin wir!

Ein Erlebnis von dem ich erzählen muss: Eine Nacht haben wir mitten in der Wildnis unser Lager aufgeschlagen. Im grössten unbewohnten Gebiet Großbritanniens gibt es einen kleinen Hügel.
Am Horizont erscheint alle paar Minuten mal ein klitzekleines Licht: ein Auto auf einer fernen Strasse.
Im Windschatten des Hügels ein knallorangenes Zelt.
Feuerholz: wenig.
Feuer machen: unmöglich.
Auf dem Hügel: wir vier und eine Flasche Rotwein.
Auf unserer Rechten geht die Sonne unter, direkt vor uns ist ein Hügel noch in Sonnenlicht getaucht! Alles andere liegt bereits im Schatten.
Der Wind ist Sanft und alleine in der Welt der Geräusche.
Nachts im Zelt hört man die Kühe als stünden sie keine 5 Meter entfernt, dabei weiss man ganz genau, dass die letzten Kühe auf dem Weg schon mehrere Kilometer zurück liegen.
Am nächsten Morgen tobt der Wind.
Wir wollen früh los damit wir ein bisschen Strecke zurücklegen können.
Das Zelt flattert laut und ich bin der letzte der nicht aus dem muggelig warmen Schlafsack kommt.
Draussen wird schonmal Wasser vom Bach geholt, das Besteck gewaschen und porridge gekocht.
Robin (einer der Mitstreiter) kommt auf die genial Idee die Plane abzumachen.
Das Zelt bricht praktisch über mir zusammen, ich muss aufstehen.
Kurze Zeit später beginnt der Marsch!
Ein wunderbarer Tag liegt vor uns.

Die letzten zwei Tage sind die atemberaubendsten und wir natürlich die glücklichen die genau dann scheiss Wetter bekommen. Könnt ich im nachhinein etwas am Wetter ändern: ich würds genau so lassen! Man darf nicht in Schottland wandern gehen und mit durchgehend schönem Wetter rechnen.

Das hat die Reise jedenfalls nochmal gut abgerundet und zur Folge gehabt, dass drei der vier übriggebliebenen die Rückreise im Kranken-status antreten mussten. Johannes musste in Aberdeen angekommen Kotzen und ich, der andere Johannes habe gezittert wie ein Junkie, bin vor und zurück gewippt wie ein Verrückter und hab geatmet wie ein Sterbender. Im Rückblick betrachtet waren das wohl körperlich gesehen welche der schlimmsten Stunden in meinem Leben. Wenn man dabei jedoch Geistig glücklich ist, vergehen auch diese sehr schnell!

So! Genug Ihnalt-loses und -volles für Heute!

Ich bin des schreibens müde, ihr hoffentlich nicht des lesens.

Mir gehts wie immer gut, ich geniesse das Leben und freue mich riesig, dass die Kinder wieder Leben in den Laden bringen (obwohl ein Tag mehr Ferien auch nicht geschadet hätte und Familie, Heim und Freunde auch gut tun würden)!

Hoffe, dass es euch auch gut geht!

Es ist jetzt kurz vor 4 und ich bin hippelig wie n Kleinkind am Abend vor seinem Geburtstag!

Gute Nacht und bis bald!

Johannes

Ps: Highlight der Ferien war übrigens die Ankunft eines Pakets aus dem Herzen Berlins mit vielen tollen Fotos die jetzt über meinem Schreibtisch zusammen mit den anderen hängen und mein Zimmer viel heimischer erscheinen lassen.

Montag, 4. Oktober 2010

Still alive!

Ja mich gibts noch :) ja mir gehts immernoch gut :) und ja mir macht das Ganze hier immernoch Spaß :)

Nur Zeit finde ich leider kaum noch welche! Also noch weniger als vorher, was sehr schade ist. Zum Glück sind aber demnächst Ferien  und da hoffe ich dann mal Zeit für meinen Blog zu finden. Da ja heute mein freier Tag ist, beginnt für mich morgen meine letzte Schulwoche vor den Ferien. Am Freitag verlassen dann die Kinder nach und nach das Gelände und wir fangen damit an die Ordnung im Haus wieder herzustellen :P bevor es dann am Samstag mit einem BSS Workshop (Behavioural Support Strategies) losgeht. Sinn der Sach ist es glaube ich zu lernen wie man sich in Extremsituaionen die Körperkontakt erforden verhält. Sprich wenn ein Kind agressiv wird, auf einen losgeht oder so. Aber den genauen Sinn erfahr ich dann bestimmt dort. Der geht 2 Tage von morgens irgendwann bis 17:30 soweit ich weiss, was angenehm ist weil ein normaler Arbeitstag hier bis 21 Uhr geht.

Apropos normaler Arbeitstag! Statt über Matthew zu schreiben, was mir jetzt zu lange dauern würde, denk ich mal, dass ich euch mal einen normalen Tag so ein bisschen beschreibe.

Montag ist für mich der schönste weil freie Tag :D und der ist in der Regel dringend nötig. Ich arbeite von Dienstag bis Sonntag, wobei ich am Sonntag meinen “Half day off” habe, was heisst dass ich "schon" um 17:30 schluss habe.

Von Dienstag bis Freitag fange ich um 7 Uhr an, entweder damit das Frühstück vorzubereiten oder ein Kind zu wecken. Das heisst, dass ich bis dahin geduscht, Zähne geputz, etc. haben muss. Und nicht zu vergessen: den Hügel hinaufgelaufen sein muss! Oben im Haus angekommen wird dann kurz mit der night-nurse gequatscht wie denn das Kind so geschlafen hat: irgendwelche Besonderheiten, epileptische Anfälle, von wann bis wann geschlafen etc. . Da ich nur Lewis wecken muss ist das bei mir relativ easy da er oft schon wach ist und ja nicht zur Schule muss und auch nicht zum Frühstück. Dadurch ist der Morgen halt relativ berechenbar!

Nach dem Gespräch mit der night-nurse werden also die Vorhänge in seiner Ecke und in seinem Zimmer aufgezogen, guten Morgen gewünscht und das Licht von Aquarium wieder angemacht. Dann gehts zum Medizinschrank zum Pillen-zusammenschmeissen (darf ich jetz endlich auch selber machen und muss nicht mehr auf jemanden warten ders machen kann). Er schluckt an einem Morgen mehr Medikamente als ich in den letzten 3-4 Jahren, brauche also schon n paar Minuten die richtigen Kapseln abzufüllen, die richtigen Tropfen zu tropfen und son komisches Nahrungsergänzungsmittel in seinen Smoothie zu mixen. Das Ergenbnis stell ich ihm dann vors Bett  und bereite seine Zabürste vor. Bis dahin ist es 7:30 Uhr. Bleiben mir also noch 10 min um sein Früstück vorzubereiten, was darin besteht entweder Brote zu schmieren oder Cornflakes und Milch vorzubereiten und je noch ne Frucht und ein Glas Wasser dazuzustellen. Um 7:40 Uhr ertönt dann der Gong zum zweiten mal woraufhin sich die komplette Hausgemeinschaft, außer Lewis, im Flur trifft um das morgendliche Gebet zu sprechen, ein Lied zu singen und von Aiden vorgelesen zu bekommen was am Tag so ansteht. Dafür stellen wir uns alle im Kreis um ein Tischlein auf dem eine Kerze brennt. Am Ende der ganzen prozedur darf dann Noah, unser kleinstes Mitglied im Haus, die Kerze auspusten und alle machen sich auf den Weg ins Esszimmer.

Dort gibts dann üppiges Frühstück mit Brot, Cornflakes, Früchten und allerlei Aufstrichen. Ich esse in der Regel mit Scott, was für mich bedeutet dass ich ihm erstmal seine Medizin andrehen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, besonders wenn er keine Lust hat, denn dann dreht er durchgehend seinen Kopf weg und man muss ihm schön die Spritze durchgehend vor den Mund halten (scheint ziemlich ekliges Zeug zu sein). Einmal hat er sie bis zum Ende des Essens nicht genommen, was zu einem ziemlich steifen Arm meinerseits geführt hat und unsere House-coordinatorin ihn mehr oder weniger dazu zwingen musste sie zu nehmen. Aber meistens beschränkt sich das ganze auf unter 5 min. . Wenn Scott fertig ist mit seinen Spritzen und Pillen und dem Glas Wasser zum runterschlucken, muss er gefragt werden was er denn haben will. Die Antworten sind manchmal eindeutig, manchmal weniger eindeutig! Sobald man das jedenfalls herausgefunden hat,  kann man ihm dann das gewünschte vorbereiten. Danach darf ich dann auch essen, mit Unterbrechungen in denen er Nachschub benötigt.

Das Frühstück nimmt rund 40-50 min des Tages ein und wird gefolgt vom gemeinsamen Abwasch der dann nochmal n Weilchen dauert. In der Regel kann ich danach kurz durchatmen und auf Richard, Lewis' Lehrer warten. Sobald mit Richard das übliche “wie gehts Lewis” Gespräch beendet ist, lauf ich runter zur Schule. Die beginnt um 9:15 Uhr und geht bis 12:30 und beinhaltet eine Stunde Pause für mich in der ich in der Regel Schlaf nachhole.

Danach gehts wieder nach St. Christophers (das Haus in dem ich arbeite), Lewis “von der Schule abholen” und sein Mittag vorbereiten. Dann wird noch schnell das Essen auf den Tisch getragen und dann gegessen. Das Mittagessen ist dem Frühstück vom Ablauf her ähnlich, nur dass am Tisch gesungen wird und fast immer das selbe Lied!

The Lord is good to me,
and so I thank the Lord!
For giving me the things I need,
The sun the rain an the apple seed.
The Lord is good to me.

An every seed that falls,
will grow in to a tree,
and one day there'll,
be apples there,
for everyone in the world to share!
The Lord is good to me.

Halleluja, Amen!

Viele von euch werden sich wahrscheinlich wundern, dass ich da mitsinge (nicht nur wegen meiner weltbekannten Gesangskünste!) aber nach einiger Zeit hier gewöhnt man sich halt daran dem lieben Gott zu danken statt der Köchin. Freu mich zwar immernoch nicht darüber, aber es ist halt ne chrisilich orientierte Einrichtung.

Das Essen inklusive Abwasch dauert idealerweise eine Stunde (ist nicht immer der Fall) und dann beginnt die Resthour. Eine Stunde Pause (:D) in der ich mich wieder aufs Ohr hauen oder mal meine Mails checken und Facebook suchten kann.

Um 15 Uhr geht dann das Nachmittagsprogramm los. Je nachdem ob ich mit Scott oder Lewis bin (die+do:Scott, mi+fr:Lew) verbringe ich den ganzen Nachmittag drinnen oder draußen. Mit Lewis mach ich dann so sachen wie ihm vorlesen oder versuchen ihn zu baden (ist mir bis jetzt noch nicht gelungen, er kennt mich noch nicht gut genug) und änliches. Mit Scott gehen wir (sind in der Regel zu zweit mit ihm) spazieren, zum Spielplatz oder Schwimmen. Er hat jedoch auch gewisse Aufgaben zu erfüllen. Donnerstags z.B. hat er bisher immer den Kompost weggebracht und ähnliches. All das machen wir zwischen 15 Uhr und 21 Uhr. Um 17:30 Uhr (!!!) gibts Abendessen, da wird dann nicht mehr gesungen und das dauert dann bis ca. 19 Uhr erfahrungsgemäß (inklusive Abwasch).

Um 21 Uhr findet dann das “wie gehts Lewis/Scott” Gespräch mit der nächste night-nurse statt und ich bin entlassen :D. In der Regel mach ich dann Abends noch was mit den anderen Co-Workern, sei es Fussball, Basketball, Volleyball , Lagerfeuer, Filmeabend oder einfach feiern. Hab in den letzten 2 Wochen glaub ich nur zwei Abende auf meinem Zimmer verbracht weil ich einfach mal schlafen musste.

Das Wochenendprogramm sieht noch mal n bisschen anders aus, beinhaltet viel putzen, weniger Kinder im Haus und Arbeitsbeginn erst um 8.

Vielleicht kommt ja noch mal n Wochenend-special :P aber für mich ist jetzt erstmal wieder Schluss denn heute Abend wird mal wieder gefeiert und ich muss noch duschen.

Ich hoffe dass es euch allen bestens geht

Cheers
Johannes

Montag, 13. September 2010

Montäglich grüßt das Murmeltier

Oder es versucht es zumindest!

Letzte Woche war der erste Montag des neuen Monats, sprich mit frischem Taschengeld! Meine Hauptbeschäftigung war also dieses auszugeben was auch erklärt warum ich es nicht geschafft hab hier zu schreiben. Außerdem gab es abends noch einen Filmeabend im Haus den ich mir nicht entgehen lassen wollte!

Der Film war sehr schön und auch informativ. Er heisst "Magnificent 7" und handelt von einer Familie in der 3 Kinder autistisch veranlagt sind. Wer sich den mal anschauen will, hier mehr Info's dazu!

Mir geht es weiterhin sehr gut! Ich bin ja jetzt schon gut anderthalb Monate hier und habe es letzte Woche endlich geschafft damit anzufangen mein Zimmer ein bisschen einzurichten! Das Bild was hing abgehängt, Poster aufgehängt und am allerwichtigsten ein paar Fotos and die Wand geklebt! Ausserdem hab ich Bett, Schreibtisch und Sessel umgestellt: jetzt fühlt es sich schon heimischer an!

Die letzte Woche war noch etwas stressiger als die bisherigen und das aus zwei bestimmten Gründen. Erstens sind Scott's Eltern im Urlaub und er dementsprechend auch am Wochenende hier und zweitens ist ein neuer Schüler zu uns gestoßen. Er heißt Daulen und kommt aus Kazakhstan. Zufälligerweise ist er nicht nur in die Klasse gekommen der ich zugeteilt bin, sondern auch in mein Haus. Im Haus war er erst einmal zum Mittagessen also kann ich darüber noch nicht viel erzählen, zur Schule war er aber nun schon drei Tage! Da die Klasse bis jetzt nur aus drei Kindern bestand is der Raum jetzt viel voller als vorher denn man muss ja bedenken, dass mit jedem Kind das hinzukommt auch mindestens ein Co-Worker mehr dabei sein muss. Daulen ist Querschnittsgelähmt und auch autist! Er scheint mir jedoch ziemlich intelligent zu sein. So kann er die Zahlen von 1-10 viel schneller sortieren als die anderen Kinder der Klasse, außerdem lernt er bereits das Alphabet mit englischen Wörtern was erstaunlich ist wenn man bedenkt dass Englisch eine Komplett neue Sprache für ihn ist.

Ich werde mit Daulen in Zukunft glaube ich nicht viel zu tun haben, aber vielleicht schreib ich ja nochmal über ihn sobald ich etwas mehr weiß!

Heute werd ich mich mal auf Aiden konzentrieren. Aiden ist 13 Jahre alt und versorgt uns regelmäßig mit guten Lachern. Er hat Asperger's Syndrom und das ziemlich ausgeprägt. Zur Erinnerung: er nimmt alles wortwörtlich. Am Sonntag zum Beispiel hat er uns beim abwaschen geholfen und Helen hat ihn darum gebeten einen Teller von draussen reinzuholen. Der Satz lautete übersetzt: "Aiden, kannst du bitte den Teller reinholen?" woraufhin von Aiden ein einfaches "Ja" kam aber keine weitere Reaktion. Ich hab garnich geschaltet und dacht er ist mal wieder frech aber von Helen kam daraufhin in etwa die Ansage: "Das war keine Frage sondern eine Ansage!" woraufhin Aiden ohne irgendeine Miene zu verziehen einfach losgegangen ist und den Teller reingeholt hat. Ich hab mich ein paar Sekunden über Helens schroffe Art gewundert, um mich dann daran zu erinnern, dass er das anders ja nicht umbedingt versteht.

Der Lacher der Woche kam am Essenstisch: ich weiss nicht genau wie es dazu gekommen ist, auf jeden fall hat Jessica ihn mit der Idee konfrontiert, dass Lauren ein bisschen wie Peter Pan ist und einfach nicht erwachsen werden will! Aidens einfache und klare Antwort darauf war: "Ja aber Peter Pan sabbert nicht!" was so simpel wie wunderbar war. Eine Parallele zwischen zwei Sachen zu ziehen die ziemlich weit voneinander entfernt zu sein scheinen bereitet ihm also offensichtlich Schwierigkeiten. Andersrum ist es leider genauso. Es ist schwer für ihn den Unterschied zwischen dem Fiktiven und dem Reellen zu erkennen und diese beiden voneinander zu trennen.

Im Normalfall können die Erzieher dagegenwirken, es müssen nur alle Erzieher tun. Sprich diejenigen die hier mit ihm arbeiten und seine Eltern natürlich. Es ist  nur leider so, dass viele Eltern die ihre Kinder hierher schicken entweder einfach überfordert sind mit der Erziehung oder ein schlechtes Gewissen haben weil sie nicht 100% für sie da sein können. Bei ersterem passiert also das, was in vielen  mit der Erziehung überforderten Familien passiert: die Kinder werden vor dem Fernseher geparkt. Das schlechte Gewissen führt dazu, dass den Kindern viel mehr erlaubt wird als eigentlich gesund ist. So hat z.B. ein so oder so schon übergewichtiges Mädchen hier in den Sommerferien 8 Kilo zugelegt, weil die Mutter nicht nein sagen kann wenn ihr Kind nach essen schreit.

Wie auch immer, kommt bei Aiden hinzu, dass er wie alle Kinder in seinem Alter gerne Cartoons schaut. Wenn er also zu hause ist, schaut er viel Fern und das bis spät in die Nacht! Würden die meisten Kinder ja machen wenns ihnen keiner verbietet. Seine Lieblingsserie ist Southpark, für diejenigen die keine Ahnung davon haben: Southpark beinhaltet viel schwarzen Humor, Beleidigungen, Gewalt und ist außerdem eher für Erwachsene gedacht. Wenn ein Kind also Southpark schaut, muss man ihm danach zumindest erklären, was davon kompletter Schwachsinn ist und was die eigentliche Botschaft dahinter ist. Bei einem Asperger ist das nicht so einfach. Noch schlimmer ist, dass er am Wochenende ein neues Computerspiel bekommen hat: GTA San Andreas. In diesem Spiel ist man ein Mafioso, der durch die Stadt läuft, Autos klaut, leute erschiesst oder umfährt etc. .

Was Kommunikation damit zu tun hat is relativ einfach: wenn die Schule und die Eltern nicht reibungslos kommunizieren können, muss viel Zeit darin investiert werden, Fehler des anderen wieder auszubügeln. Zeit, die viel besser darin angelegt wäre das Kind weiter zu fördern.

Dass sich vor allem Southpark in Aidens Alltag ziemlich fest eingenistet hat, wird einem spätestens dann klar, wenn er andere Kinder mit Ausdrücken aus dem Southpark-Jargon beleidigt, die "Uncle Fucker" Melodie summt (ein sehr bekanntes Lied aus der Serie) oder alle möglichen Synonyme aus dem amerikanischen aufzählt (What we call a jumper, they call a sweatshirt! What we call trousers, they call pants).

Das Aiden mal agressiv wird passiert nicht allzu oft und wenn, dann ist es nicht wirklich schlimm denn er ist relativ schwach und dementsprechend leicht zu bändigen. Was sehr viel Spass macht mit Aiden ist schwimmen gehen. Wenn man mit Aiden schwimmen geht wird Langeweile zum Fremdwort. Wenn er im Wasser ist, will er nämlich andauernd herumgeworfen, unter Wasser getaucht oder ähnlich beschäftigt werden!

Wenn Aiden isst, ist er in seiner eigenen Welt! Wenn man also will, dass er die Butter rüberreicht, muss man ihn erst klar und deutlich beim Namen nennen und auf seine Reaktion warten bis man ihm sagen kann was man möchte. Generell mag er es nicht so gerne beim Essen gestört zu werden. Wenns ihm dann wirklich zu viel wird, sagt er dann auch: "Stop asking so many Questions!". Aidens Ernährung unterscheidet sich ein wenig von der der anderen Kinder! Aiden darf zum Frühstück Kellogs essen statt der Bio/Öko/ungezuckerten Cornflakes die alle anderen essen, er bekommt zum Mittag (allerdings nicht als einziger) ein extra Gericht was in der Regel aus Chicken Nuggets, Burgerfleisch oder ähnlichem besteht. Sein Ketchup verbrauch ist auch überdurchschnittlich!

Das wars erstmal über Aiden, nächste Woche wird er jedoch bestimmt auch wieder auftauchen wenns um Matthew geht!

Zum Abschluss noch einen Eindruck aus Aberdeen, welches ich bis jetzt als sehr schöne und vor allem saubere Stadt erlebt habe.


Ich werd mich jetzt erstmal auf Nahrungssuche begeben und hoffe, dass ich nächste Woche wieder dazu kommen werde zu schreiben.

Cheers
Johannes

Montag, 30. August 2010

Dies und das und Petra Pan!


Das ist die Aussicht die ich auf dem Weg vom Haus in dem ich arbeite zu dem in dem ich wohne geniessen darf. Sieht (in echt zumindest) jedes mal wunderbar aus! Garden Cottage, wo ich wohne liegt hinter dem Baum auf der linken Seite des Bildes und hat einen wirklich schönen Garten der sichhalb innerhalb dieser alten Steinmauer befindet. Was den Garten so besonders schön macht, ist ein kleiner Bach mit glasklarem Wasser und vielen, kleinen, rauschenden Wasserfällen. Man kann hier sehr schöne Landschaftsbilder machen! Man muss es nur tun :P.

Mir gehts übrigens immernoch wunderbar bevor ichs wieder vergesse! Ich habe heute das Fahrrad zu Ende repariert und bin jetzt endlich mobil und frei! Juhuu! Werds heute Abend gleich mal testen. Außerdem war diese Woche noch von anderen Geschehnissen gezeichnet. Schöne und ein weniger schöne.

Dieses weniger schöne war wohl das wichtigste für mich! Wie ihr ja vielleicht aus dem letzten Beitrag gelesen habt, hab ich nur darauf gewartet, dass Jon einmal aurastet. Das ist nun passiert und komischerweise bin ich extrem gut bei weggekommen. Das beruhigt und beunruhigt mich zur selben Zeit. Einerseits, weiss ich jetzt schonmal wie das aussieht wenn er ausrastet, andrerseits hat sich sein Ausraster nicht gegen mich gewendet obwohl ich gerade mit ihm gearbeitet habe und das verwundert mich.

Das Problem war folgendes: Jon sollte und wollte Basteln! Relativ schnell hatten wir uns auf Postkarten geeinigt. Leider hat Rabuma, sein Klassenkamerad, Angst vor Jon und leider waren Rabuma's und Jon's Tische zusammengeschoben worden weil Jon so oder so in einem anderen Raum basteln sollte. Dummerweise ist Jon aber direkt zu seinem Tisch gegangen. Beim Versuch ihn von dort wegzubekommen hat er dann blockiert, ist sitzen geblieben und lauter im Ton geworden. Unsere Reaktion war also die Tische wieder zu trennen damit Jon dort sitzen bleiben konnte und Rabuma weiterbasteln konnte. Daraufhin ist er eine Minute einfach still dort sitzen geblieben und dann plötzlich aufgesprung, auf Rabumas Tisch zugerannt und hat mit einem Klebestift geworfen. Bevor er mehr machen konnte (Rabuma hatte schon einen ganz schönen Schreck bekommen) hat René (sein Lehrer) in gepackt und in seinen Raum nebenan gebracht! Danach wollte Jon nicht mit mir reden für 5 Minuten bis dann wieder alles so gut wie vergessen war. War also alles nicht so schlimm für mich wie ich es erwartet hatte.

Das wars also für heute von Jon :P

Samstag Abend hatten wir hier auf dem Gelände eine sehr interessante Veranstaltung. Ein Vortrag, gehalten von einer Autistin. Eine erstaunliche Erfahrung, überraschende Einblicke in das Leben derer die mit Autismus geboren wurden. Ihr Name ist Ros Blackburn und ihr Autismus ist sehr ausgeprägt (weiss garnicht ob man das so sagen kann, aber ihr wisst ja was ich meine). Sie hat zum Glück ihre sprachlichen Barrieren grösstenteils überwunden und kann daher sehr gut Reden, was nicht immer so war. Man mag ihr manchmal kaum abkaufen, dass sie Autistin ist aber man merkt es doch schon an ihrem Verhalten. Sie scheint sich vieler Sachen sehr bewusst zu sein, kann aber nichts dagegen tun. Sie kann also vor 100 Menschen 1,5h lang sprechen ohne dass einem langweilig wird, schafft es aber nicht alleine die Strasse zu überqueren oder aufs Klo zu gehen (sieht man auch daran dass sie Windeln trägt). Es ist in sofern sehr hilfreich sie reden zu hören, weil man endlich versteht was einem Kind mit Autismus hilft und was überhaupt nicht. Nun ist Autismus nicht gleich Autismus weil es so viele verschieden Formen gibt und außerdem die meisten auch andere Probleme haben, aber vieles was sie gesagt hat, scheint universell für alle zu gelten. Aber ich will jetzt nicht alles versuchen zu wiederholen, es gibt ja auch ne Wikipedia Seite über Autismus :P !

Weil mir nich allzuviel Zeit bleibt und ich ja auch schon was geschrieben hab, werde ich euch jetzt etwas über Lauren erzählen. Was das mit der Zeit zu tun hat? Ich habe leider eher weniger mit Lauren zu tun und kann deshalb auch weniger über sie sagen. Aber man kann sich ja nicht 10-teilen und außerdem ist es vielleicht ganz gut wenn man sich auf weniger Kinder konzentriert als man vielleicht will.

Lauren ist unsere kleine Petra Pan! Sie ist 8 Jahre alt (glaub ich), leidet aber (wieder nur unter anderem) an einer Entwicklungsstörung, sie altert also mental sehr sehr langsam. Ihr geistiges Alter wird auf unter 2 geschätzt. Sie kann logischerweise nicht reden und macht auch so so ziemlich alles was ein Kleinkind so macht. Sie sabbert, robbt auf dem Boden herum, spielt gerne mit Babyspielzeugen und nimmt generell alles in den Mund was sie in die Finger bekommen kann. Da ist es dann an ihren Co-Workern, ihr je nach Bedarf, den Gegenstand wieder aus dem Mund zu nehmen. Beim Essen muss immer derjenige der ihr das Essen zubereitet darauf achten, dass ihr Essen weder Weizen- noch Milchprodukte enthält. Ausserdem muss ihr Essen, genau wie Scottis, kleingeschnitten werden damit sie es essen kann. Wie die meisten Kinder neigt sie aber dazu mehr auf den Löffel zu tun als in ihren Mund passt was wiederum den Co-Worker dazu zwingt schnell was von ihrem Löffel zu kratzen, möglichst so, dass es wieder auf den Teller fällt. Wenn nicht ist auch nicht so schlimm: Sie trägt ein grosses Lätzchen beim Essen. Was auffällig ist, ist dass Lauren umbedingt ihren persöhnlichen Raum braucht. Was ihr im falschen Moment zu nahe steht, wird weggestoßen! Man braucht sich also nicht zu wundern wenn auf einmal das Marmeladenglas einen Satz zur Seite macht. Das gehört zum Essen dazu! In der Regel hat Lauren also gegen Ende der Mahlzeit maximal ihren Teller vor sich zu stehen und sonst im Umkreis einer Armlänge nichts. Oft wird auch der Teller verabschiedet, dann aber nach einer Pause wieder in den Kreis gelassen oder wenn sie nicht mehr will auch nicht.

Wie viele andere hier auch im Moment war Lauren die letzten Tage ziemlich erkältet. Das hat dazu geführt, dass es viel ruhiger wurde beim Abendessen. Eigentlich würde man das ja als ganz Angenehm empfinden, ist in diesem Fall aber nicht so schön weil man ihr schon angesehen hat, dass sie ziemlich gelitten hat. Heute gings ihr aber schon deutlich besser, von daher ist die Welt ja in Ordnung.

Hab gerade einen Anruf bekommen! doch nicht Videoabend heute sondern: Lagerfeuer unten am Fluss. Find ich gut, das verschafft mir ein bisschen mehr Zeit :), auch wenn mich das jetzt ein bisschen aus dem Konzept gebracht hat. Hat allerdings auch so seine positiven Seiten. Mir ist aufgefallen, dass ich ja doch recht wenig über das Leben hier geschrieben hab bis jetzt, womit ich also mal anfangen werde.

Spontan entschieden: ich erzähl euch jetzt mal was über die Abende. Normalerweise arbeiten wir ja von 7 bis 21 Uhr mit zwei Pausen. Zum glück hab ich ja heute Frei und von daher trifft das mal nicht zu. Ob man dann auch pünktlich Schluss hat liegt natürlich in den Händen der Kinder! Wenn Scott eine Stunde länger im Bad braucht als geplant (was vorkommt), muss man halt auch ne Stunde länger arbeiten. Die Ironie des Schicksals will es, dass ich Scott genau an den beiden Abenden ins Bett bringen muss wenn Sport ansteht! Dienstags wird nämlich Fussball gespielt und Donnerstags Volleyball. Freitags wird theoretisch zwar auch Fussball gespielt, aber da man ja eher Feiern geht, fällt das auch mal aus!

Es sieht also so aus, dass an allen Tagen ausser Samstag und Montag irgendwas ansteht nach der Arbeit. (Mi: House evening und Sonntag ab nächster Woche wohl Basketball) Samstag wird in der Regel so oder so clubben gegangen und heute gibts ja das Lagerfeuer. Dieses straffe spätabendliche Programm hat akuten Schlafmangel zur Folge! Aber so ist das nunmal :P. Jedenfalls sind diese wenigen Stunden nach der Arbeit, die Zeit soziale Kontakte zu knüpfen und Spass zu haben. Das ist eine sehr schöne Sache an dem Laden hier: man lernt sehr viele nette Leute kennen, die dabei sind die selben Erfahrungen zu machen wie man selbst oder das ganze schon hinter sich haben. Ausserdem kann man in der Zeit entweder abschalten und sich über alles mögliche oder halt über das was einen im Moment so bewegt, meistens die Kinder, unterhalten.

Die Anteil an Deutschen hier ist übrigens riesig. Nicht nur, dass Zivildienst zum Exportgut geworden zu sein scheint, es sind auch mindestens genauso viele Frauen aus Deutschland hier. Es ist dann auch mal ganz nett ins Deutsche zurückfallen zu können. Der Nachteil ist allerdings: man lernt nicht sonderlich viel Englisch und meinen Wunsch mit einem schottischen Akzent wiederzukommen hab ich auch abgehakt!

Das letzte bisschen scheint mir sehr wirr geworden zu sein aber naja, müsst ihr halt mit leben :D

Damit verabschiede ich mich jetzt auch erstmal wieder und hoffe dass ich mich nächste Woche entweder auf Matthew oder auf Aiden konzentrieren kann! Bis dahin freu ich mich darauf!

Cheers!

Montag, 23. August 2010

If you don't like the weather in Scotland, just wait five minutes!



Eine Woche ist rum! Morgen oder Übermorgen schreib ich weiter hatte ich gesagt... ist nicht ganz was draus geworden! Es ist für mich einfach kaum möglich genug Zeit zu finden um zu schreiben, außer Montags weil ich das mein freier Tag ist.

Das letzte mal hab ich ja damit angefangen euch etwas über die Kinder zu erzählen! Mit Lewis und Scott waren das die beiden mit denen ich im Haus grösstenteils zusammenarbeite! Diese beiden in einem Eintrag zu beschreiben war jedoch relativ dumm weil mir logischerweise im Nachhinein noch viele wichtige Sachen eingefallen sind die ich hätte schreiben können aber das ist jetzt erstmal egal, ich werde versuchen das irgendwann nachzuholen wenn ich die beiden ein bisschen besser kennengelernt habe!

Weil zwei einer zu viel sind, werde ich mich heute auf Jon konzentrieren! Mit Jon verbringe ich während der Schulzeit die meiste Zeit was auf “nur” 2 Stunden am Tag begrenzt ist. Wie alle Kinder hier ist Jon ein Fall für sich. Er ist 9 Jahre alt, geht in die dritte Klasse und hat keine motorischen Einschränkungen oder so. Er würde auf der Strasse oder im Supermarkt also nicht weiter auffallen. Jon ist einen Tag später aus den Ferien zurückgekommen und hat mich total überrascht. Ich hatte vorher schon einiges über ihn gehört, alles verpackt in komischen Andeutungen die darauf hindeuteten dass das ein absoluter Problemfall sei. Was ich in den ersten Tagen von Jon gesehen habe war ein sehr fröhlicher, gut gelaunter neunjähriger der vielleicht nicht sooo gut in der Schule war aber ansonsten nicht weiter aufgefallen ist.

Das waren aber nur die ersten Tage! Nicht dass aus dem lieben Jungen ein böser geworden ist oder so aber wenn man mehr Zeit mit ihm verbringt fallen einem Dinge auf die schon sehr speziell und extrem sind und zumindest teilweise das bestätigen was mir über ihn erzählt wurde. Was das jetzt speziell für Sachen waren kommt später. Das hat mich jedenfalls stutzig gemacht, woraufhin ich angefangen hab mal ein bisschen genauer nachzufragen!

Erster Gedanke war natürlich Leute zu fragen die direkt mit ihm zusammengarbeitet haben, wodurch ich dann auch erfahren habe, dass ich Zugriff auf Akten der Schüler mit denen ich zusammenarbeite anfragen kann. Das hab ich dann auch gemacht und angefangen mir ein kleines Puzzle zusammenzustellen. Ich denke, dass das wichtigste was ich über ihn wissen muss sodaso nur im Umgang mit ihm zutage kommt! Trotzdem ist es relativ schwer den richtigen Umgang mit einem Kind zu finden, welches auf den ersten Blick so “normal” scheint! Deshalb auch das kleine Puzzle. Durch das was ich gehört und gelesen habe bis jetzt (bin noch nicht durch) ist es viel einfacher Verständnis aufzubringen für die Dinge die er tut.

Jon's Hauptproblem scheint seine Vergangenheit zu sein und nicht irgendein Syndrom! Ich werde sie jetzt hier nich explizit erläutern weils einfach keine schöne Geschichte ist und ich sie nicht gut genug kenne um sie aufschreiben zu können. Jedenfalls ist es extrem schwierig für ihn Vertrauen zu jemandem aufzubauen, weil so etwas wie Konstanz in seinem Umfeld total gefehlt hat und die ersten 3 Jahre seines Lebens mit seinen biologischen Eltern nicht die schönsten gewesen sein können. Ich will damit nicht sagen dass sie ihn nicht geliebt haben, das weiss ich nicht! Auf jeden Fall haben sie's nicht geschafft ihn aufzuziehen und die Basis für ein unstetiges Leben zu schaffen. Aus verschiedenen Gründen musste Jon in den letzten 6 Jahren mehrmals Familie wechseln und das nicht umbedingt seinetwegen. Welches Kind da die Welt noch versteht kann keine Kindheit gehabt haben.

Die Gründe weshalb er hier lebt und zur Schule geht sind also nicht nur auf seine Geburt zurückzuführen. Dieses Wissen erleichtert den Alltag mit ihm um einiges! Wenn er also keine Lust hat im Klassenzimmer zu sitzen, dann ist das halt so und man geht raus. Jon hat direkt neben dem Klassenzimmer seinen eigenen Raum in dem er einen großen Teil seiner Schulzeit verbringt. Darin befindet sich eine sehr grosse Strandmuschel, ein Sitzkissen, Sofapolster, Bettlaken, Decken, Kissen, Plüschtiere und ähnliches. Sprich alles was man sich als Kind so wünscht, wenn man sich im Wohnzimmer eine Höhle bauen will! Nicht dass er das jetzt die ganze Zeit macht, aber es kommt schonmal vor. Vor allem ist der Raum gut um Agressionen abzubauen, was nicht heisst dass er dort die ganze Zeit wild herumspringt und alles durch die Gegend wirft. Die meiste Zeit spielt er darin wie alle anderen Kinder es auch tun und das nicht alleine! Daraus lässt sich schliessen, dass auch ich einen Großteil meiner Zeit in der Schule in diesem Raum verbringe.

Wenn er wach und gut drauf ist, werfen wir uns einen Ball über die Strandmuschel hinweg zu oder er lässt ihn an ihr herunterkullern und ich werf ihn ihm wieder zu (was für mich auch ganz schöne Beschäftigungen sind, weil sie im Verhältnis zum Rest meines Tages ziemlich entspannend sind :D). Wenn er müde und gut drauf ist les ich ihm vor (das letzte Buch handelte von Narnia) oder er inszeniert die üblichen “Vater, Mutter, Kind” Spiele und ich muss mitmachen (was ich eher anstrengend finde weil es doch nicht ganz leicht ist sich zu verstellen wenn man nicht auf ner Bühne steht sondern im Hinterkopf hat, dass das das echte Leben ist). Wirklich komisch war es jedoch nur die ersten male, danach gewöhnt man sich an den Gedanken und es geht! Genau so ist es auch wenn er mal wieder heiratet, dann wickelt er sich sowas wie ein Brautkleid aus einem Lake z.B. und heiratet entweder mich oder eins der Plüschtiere oder er verheiratet zwei Plüschtiere miteinander! Alles ist möglich, er ist da sehr liberal! 

Was er am liebsten malt sind Herzen und schreiben kann er seinen Namen und den seiner “Main Co-workerin” Paula. Wenn er das macht bekommt man in der Regel den Satz "I'm so clever" zu hören was mich immer wieder freut weil man sieht, dass er noch jede Menge Stolz hat. Die Art von Stolz die für Kinder so wichtig ist! Das soll übrigens auch ein sehr guter Trick sein um ihn z.B. ins Bett zu kriegen obwohl es so Dunkel ist und er ein bisschen Angst hat ("But you are such a big boy" oder "brave boy" wahlweilse). Dass er sehr mutig ist beweist er in letzter Zeit fast Täglich. Ich hab ihm am ersten Tag gezeigt, dass Spinnen nix tun und man sie ruhig auf die Hand nehmen kann, was er seit dem nachmacht und sagt: "I'm soooo clever" woraufhin ich mich dann wieder freue.

Den Großteil der Zeit mit ihm hat man also schon Spass! Wovor aber andauernd gewarnt wird, sind seine Ausraster, die mich noch nicht wirklich erreicht haben aber bestimmt noch kommen werden. Eine Co-workerin die auch gerade erst gekommen ist hat das schon miterlebt und in dem Moment ziemlich hart getroffen. Morgen werd ich mich mal mit ihr zusammensetzen und hoffe mal, dass uns das beiden hilft.

Die einzige annähernd brenzlige Situation bis jetzt, war als ich mit Jon auf dem Gang Saß und sich eine ältere Schülerin neben mich gesetzt hat. Zuerst war er sehr lieb zu ihr, hat ihr mit ihrem Latz noch Essensreste aus dem Gesicht gewischt (sie schafft nicht ganz so viel alleine wie andere Kinder) und ich hab mich daneben gefreut was er für ein lieber Kerl ist. Als ich dann allerdings dort sitzen geblieben bin und mich mit einer Lehrerin unterhalten hab, ist Jon zurück in die zu dem Zeitpunkt leere Klasse gegangen. Weil der Moment so ruhig war, bin ich auch nicht sofort hinterhergerannt. Das nächste was ich gehört hab war zersplitterndes Glas. Jons Erklärung: es war der Plüschhund der die Blumenvase auf dem Lehrertisch kaputt gemacht hat! Ich hab natürlich gleich gesagt ich wisse ganz genau, dass er das war und das er das nicht nochmal machen sollte, zwar in ruhigem Ton aber das übliche halt.

Dass das mein Schuld war, hab ich erst später realisiert. Ich bin froh dass der Schaden sich auf eine Kaputte Vase begrentzt hat (und eine kleine Schnittwunde vom aufräumen :P ). Jetzt weiss ich, dass ich ihm in Zukunft immer das Gefühl geben muss für ihn dort zu sein. Jon muss immer im Mittelpunkt stehen, sonst fühlt er sich versetzt! Vertrauen wird er mir womöglich nie zu 100% aber sein volles Vertrauen verlieren kann ich sehr schnell und dann muss ich von vorne anfangen!


Und wieder bin ich müde, und wieder hab ich zu viel geschrieben (ne Mogli? :P), und wieder wüsste ich noch ein paar Sachen zu schreiben, und wieder sind keine Fotos dabei (weiss noch nicht ob ich überhaupt Fotos von den Kindern hochladen darf), und wahrscheinlich wird wieder eine Woche vergehen bis ich weiterschreiben kann.

Über wen ich nächste Woche schreiben werde weiss ich noch nicht, aber ich geb mir Mühe (vor allem weil ich am nächsten Montag Alex 30 in irgendeinem Kaff besuchen werde und dementsprechend Sonntag Abend schreiben muss).

Bevor ichs vergesse, vielleicht noch n bisl was über mich: mir gehts immernoch super, ich geniesse immer noch die Zeit hier, ich komm immernoch 5 Tage die Woche nicht vor 23:30 Uhr nach Hause und schon garnich ins Bett, weil immer irgendwas ist: Sport, Party, Chillung etc.. Außerdem ist Aberdeen eine sehr schöne Stadt, ich gebe mehr Geld aus als ich hier bekomme (160 Pfund im Monat) und werde meine Freizeit in den nächsten Tagen versuchen mit einer Fahrradreparatur zu verbringen (Teile hab ich heute gekauft) damit ich ein bisschen mobiler werde (Busnetz ist aber auch gut hier).

Alles ist schön, alles ist toll und ich bin vor allem müde.

Hoffe ich hab euch nicht gelangweilt :P

Cheers
Johannes

Ps: was zum Eintragstitel (Schottisches Sprichwort btw.)! Das Wetter ist echt nicht so schlecht bisher (von dem was ich so mitbekommen hab vielleicht sogar besser als in Berlin) und wenns regnet gehts schnell vorbei in der Regel. Außerdem hats hier erst drei mal richtig gegossen und wenn man dann grad unterwegs ist gibts nichts schöneres als das nächste Pub und n kühles Pint :D

Montag, 16. August 2010

Cheers

Unendlich viel ist passiert, unendlich viel werd ich nicht schreiben!An einer kleinen Zusammenfassung werd ich mich jedoch versuchen!
First things first: mir gehts super! Hab im Moment das Gefühl am richtigen Ort zu sein (und das liegt nicht am unschottischen Wetter). Ich lerne sehr viel, schlafe sehr wenig und genieße die Zeit in vollen Zügen.
Was mich am meisten beschäftigt bisher sind natürlich die Kinder. Mein Tag ist in zwei Teile einzuteilen: Schule und Haus. Morgens gehts um 7 im Haus los, um 9:15 geht die Schule los (1min Fußweg) und um 12:30 gehts dann im Haus weiter. Ich bin vier Kindern hauptsächlich zugeteilt: Lewis und Scott zu hause und Abbass und Jon in der Schule.
Alle sind sehr unterschiedliche Kinder und alle haben Probleme die für die meisten Menschen absolut nicht nachvollziehbar sind und für mich schwer zu beschreiben weil mein Durchblick nach einer Woche noch nicht ganz so gross ist. Lewis z.B. verbringt den Grossteil seines Tages im oberen Teil des Hauses. Er verlässt das Haus nur beim fangen spielen solange er hier ist. Zu Essen bringen wir ihm immer dann nach oben wenn wir selber Essen was aber nicht heisst dass er gleichzeitig mit dem Rest des Hauses ist. Meistens fängt er mit dem Frühstück an, wenn alle anderen bereits mit dem Abendbrot fertig sind. Vorher schafft ers nicht. Dann isst er jedoch alle drei Mahlzeiten auf einmal! Mit dem Zähneputzen ist es ähnlich, wir bereiten seine Zahnbürste vor aber er putzt sich nur sehr selten die Zähne. Er hat Probleme damit die einfachsten Dinge im Leben zu meistern weils einfach zu viel ist für ihn. So hab ich mir z.B. erzählen lassen dass es Stunden dauern kann bis er es schafft durch eine Tür zu laufen. In der zwischenzeit hält er sich oft die Ohren zu, besonders wenn man versucht mit ihm zu reden und nuschelt vor sich hin. Ab und zu hört man dann sehr deutlich Sachen wie "Stop" oder "Help" heraus was sich nicht umbedingt auf irgendwas was um ihn herum oder mit ihm passiert beziehen muss. Wenn er allein gelassen werden will sagt er dann auch "Go away". Lewis braucht sehr klare Strukturen im Leben um mit allem klarzukommen, so hat er z.B. einen Stundenplan für den ganzen Tag wo auch banal scheinende Sachen wie Aufwachen oder Zähneputzen draufstehen.
Mit Scott werd ich zu Hause am zweit-meisten zu tun haben. Er is das Gegenteil von Lewis in vielerlei Hinsicht. Scotti verbringt seine Zeit am liebsten draussen. Einer der ersten Sätze die ich geört hab als ich mit ihm zusammen gearbeitet hab war: "Das wichtigste wenn du mit Scott arbeitest ist dass er am Leben bleibt!".
Das war schonmal n ganz schöner Schock und die Erklärung dafür ist relativ einfach: Scott hat kein Gefühl für Gefahren. Ausserdem ist Scott nicht selbstständig, braucht also durchgehend jemanden der sich um ihn kümmert! Genau wie Lewis ist auch Scott Autist. Hinzu kommt das Scott inkontinent ist, was zur Folge hat dass ich mich jetzt schon ans Windelnwechseln gewöhnen werden muss. Gewaschen werden muss er auch, aber die Hemmungen auf meiner Seite sind in beiden Fällen schon am schwinden und er ist es ja so oder so gewohnt von anderen gewaschen zu werden.
Mit Scott unterwegs sein macht Spass und ist einer ganz neue Erfahrung. Es ist ein ziemlich komisches Gefühl eine Strecke vor sich zu haben die eigentlich 5-10 Minuten dauert aber nach einer Stunde noch nicht bewältigt ist. Das ist nicht immer der Fall und liegt auch nicht daran dass Scott ein langsamer Läufer ist (im Gegenteil) sondern daran dass er sich halt sehr oft einfach an den Strassenrand setzt und dort Gras zupft um es dann auf eine faszinierende Art und Weise mit Mittel- und Zeigefinger wegzuschnipsen. In dem Fall gibt es zwei Optionen: man versucht auf ihn einzureden und signalisiert ihm dass man weitermuss oder man chillt und wartet bis er wieder aufsteht und hofft dass er in die richtige Richtung weiterläuft. Ihn hochheben darf man nicht, wäre auch verrückt die Last eines 16jährigen mehrmals die Stunde zu heben. Wenn er erstmal Läuft muss man ihn davon ablenken zu seinen Lieblingsplätzen zu rennen (Sandkästen, Schaukeln die es hier überall gibt (:D) etc.) und hoffen dass ernicht losrennt. Es ist also eine sportlich sehr aktive Zeit die man mit Scott verbringt.
Man muss ausserdem nicht nur aufmerksam sein weil er Gefahren nicht erkennt sondern auch weil sowohl Lewis als auch Scott Epileptiker sind. Lewis hat selterner Anfälle, braucht dafür aber viel länger um sich von ihnen zu erholen während Scott oft Anfälle hat (auch mehrmals täglich) sich aber relativ schnell erholt. Die Anfälle sind unterschiedlich lang und auch von der Wirkung unterschiedlich, mal ist "nur" der Kopf der wegsackt, mal ist es der Oberkörper und mal fällt er hin. Dann ist er für kurze Zeit nicht ansprechbar und braucht ein bisl um wieder zu realisieren wo er eigentlich ist etc. . Epilepsie-training bekomm ich zum Glück noch und freu mich schon drauf!

Samstag, 7. August 2010

Naiv aber glücklich

Wie ein kleiner, glücklicher Junge bin ich heute zurück auf mein Zimmer getrottet, mit dem Gedanken: endlich hast du mal mindestens ne Stunde Zeit um zumindest die Schränke auszusaugen und deine Kleidung aus dem Koffer zu holen!

N Scheiss!

Staubsaugen hab ich noch geschafft und eine Nachricht hab ich geschrieben. Als ich gerade weitermachen wollte, hör ich wie ein Auto vor meinem Fenster hält und jemand ruft: "Johannes! Where are you? You were supposed to be at St. Christophers a few minutes ago!" oder irgendwie so...

Hintergrund war, dass Heute ein Ausflug zum Meer geplant war und ich verballert hatte das nachzulesen. Auf jeden Fall, sind wir dann ans Meer gefahren bei echt schottischem Wetter! Klingt grauenhaft, ist es aber überhaupt nicht. In Aberdeen fallen 90 cm Regen pro Quadratmeter und Jahr (Berlin rund 60 cm). D.h. dass es zwar sehr oft regnet aber eigentlich wirklich nur von Nieselregen die Rede sein kann. Hab also bestimmt schon zwei bis drei Stunden Regen erlebt hier aber der stört eigentlich nicht weiter. Wie auch immer, zurück zum Ausflug: übers Meer muss ich euch ja nicht viel erzählen, kennt ihr ja alle :P, was allerdings wenige wirklich kennen dürften ist eine neue Schottische Spezialität: Frittierte Marsriegel! Klingt abartig aber da ich bis jetzt nur positives darüber gehört hab musste ich es probieren! Mein Urteil: schmeckt schon ganz geil :) die anfängliche Skepsis verdirbt einem vllt. die ersten zwei Bisse aber bis kurz vorm Ende des Riegels schmeckts echt super. Nach einem Riegel ist dann allerdings auch erstmal genug!
Aufm Rückweg noch was zu trinken für die Kostümparty morgen eingekauft und dann ab nach Hause und in den Kostümkeller. Zur Party aber erst infos wenn se vorbei ist.