Donnerstag, 28. Oktober 2010

Mitternachts-Routine Spezial

Mitternachtsroutine?

Ne, nich falsch verstehen! So etwas wie eine Mitternachtsroutine gibts hier nicht! Nixda mit mitten in der Nach aufstehen oder so! Deswegen auch der Bindestrich.

Ich habe nämlich Heute eine Geschichte zu erzählen die sich mitten in der Nacht abspielt und mehr mit Routine zu tun hat als es vielleicht den Anschein hat.

Die Geschichte spielt sich jetzt gerade ab. In diesem Moment in dem ich sie aufschreibe. In ein paar Stunden wird sie vorbei sein, aber das ist jetzt auch egal, denn jetzt geht es erstmal darum die Geschichte fortlaufen zu lassen und sie gleichzeitig festzuhalten.

Ganz einfach: es ist zehn Minuten nach Mitternacht, wenn ich fertig bin ist es wahrscheinlich viel später, aber das tut nix zur Sache. Damit wäre schonmal das Mitternacht erklärt!

Bleiben noch die "Routine" und das "Spezial". Beide eigentlich auch ganz einfach: Routine weil sie mir fehlt, und spezial weils unerwartet kommt und ich erst vor einer halben Stunde entschieden habe jetzt zu schreiben. Nicht ganz freiwillig, das geb ich zu, aber ich bin definitiv selber Schuld.

Jetzt mal zur Geschichte: die Geschichte ist eigentlich egal wenn man bedenkt was ich euch so mitgeben will, aber dafür hat sie was lustiges. Sie spielt auf dem Flur in der ersten Etage des St. Christopher's House. Protagonist bin, Wunder-oh-Wunder, Ich. Nebendarsteller sind genau betrachtet alle die hier leben, und das Leben hier gestalten. Anwesend ist aber nur einer von denen: Lewis.

Lewis, manchen vielleicht schon bekannt, ist 16, Autist und Epileptiker und liegt seelenruhig 3 Meter hinter mir auf der Couch und pennt! Ganz entspannt möchte man denken, so wie ein Teenager eben aufm Sofa schläft! Oder egal wer und wie alt! Sofaschlafen halt!

Dass Lewis nicht in seinem Zimmer schläft, dürfte euch ja schon bekannt sein. Normalerweise schläft er auf einem anderen Sofa aber es macht jetzt keinen Sinn ihn aufzuwecken vor allem weil er dann wahrscheinlich garnicht mehr schlafen würde für den Rest der Nacht. Genauso wie ich es versuchen werde.

Haha! Ihr habts gemerkt: ja, das Ziel ist es nicht zu schlafen. Warum? Naja, Nachts sind ja normalerweise “Night-nurses” (Nacht-schwestern) im Haus die auf die Kinder aufpassen damit wir auch mal schlafen können. Nach diesem Satz brauch ich jetzt auch kein Geheimnis mehr draus zu machen: die “Night-nurse” für heute Nacht ist nicht da!

Schon wieder ein nerviges “Warum?”, dass die Geschichte nur noch langatmiger macht, aber in diesem fall prägt es sie wenigstens auch und über Umwege werd ich das jetzt erläutern. Die Night-nurses sind keine direkten Angestellten, sondern werden von einer Firma, die sich auf solche Dientsleistungen spezialisiert hat, geschickt. Wie das nunmal heutzutage so üblich ist.

Hat den Vorteil: ist billiger.

Hat den Nachteil: ist unzuverlässiger.

Also ist Heute die Night-nurse nicht erschienen! Was eigentlich keine Problem ist, denn dann kann man einfach bei dem Laden anrufen und die schicken jemand anderen.

Und da tritt unsere geliebte Routine ins Rampenlicht!

Wie in meinem letzten Eintrag berichtet gibt es ja zu jedem Schichtwechsel ein kleines Gespräch in dem besprochen wird wies so geht und was es so zu beachten gibt etc. . Das hat heute nicht stattgefunden. Der Grund ist simpel: ich hab nicht dran gedacht und die night-nurse war nicht da um mich dran zu erinnern.

Ergebnis: Ich bin ganz entspannt zu unserem Mittwöchentlichen “house-evening” gegangen und hab Lewis alleine gelassen (schlimm genug, aber er hat die 1,5 Stunden zu meinem Glück schadlos überstanden und seinen Frieden genossen). Besser wurde es danach!

Helen, meine “Supervisorin” (gut eingedeutscht, ich weiss), kommt auf mich zu und macht mich auf meinen Fehler Aufmerksam. Ich hatte nach 19 Tagen ohne die tägliche Routine, diesen Wichtigen Teil vergessen. Im diesem Notfall macht man folgendes: man ruft unsern geliebten Dienstleistungszulieferer an und sagt: “Euer Kerl is nich gekommen!”. Da man das aber in der Regel schon macht wenn der 15-20 Minuten zu spät ist, sagt der auch in der Regel: “Ja ok ich ruf ihn an und schick ihn rüber oder besorg nen neuen oder so!” Im Grunde: “Wir regeln das schon, ein bisschen Geduld bitte!” Da mein Anruf aber nicht der Regel entsprach, lautete die Antwort: “kommt n bisl spät der Anruf, ich schau was ich machen kann und ruf in 5 Minuten zurück!”

Zu dem Zeitpunkt war es dann auch schon 22:00 Uhr. Um 23:00 Uhr kam mir das dann ein bisschen komisch vor. Also: nochmal angerufen. Die Stimme am anderen Ende der Leitung war auf einmal viel angenehmer, hatte aber auch keinen schottischen Akzent mehr. Stellte sich heraus: die nette schottische Dame hatte schon Feierabend und es nicht mehr geschafft einen Ersatz zu besorgen. Deswegen wurde ich nach England in die Zentrale durchgestellt die mir diese Nachricht dann überliefern durfte.

Nach einem kurzen Brainstorming mit Rodrigo und Jessica war dann klar: ich bleib hier, so wach wie ich es schaffe und pass auf, dass Lewis im Falle eines epileptischen Anfalls versorgt wird!

Da Rodrigo so oder so noch wach war, hat er kurz aufgepasst während ich schnell runter gerannt bin, meine Zähne geputzt hab, ne Jogginghose angezogen hab, meinen Laptop eingepackt hab und wieder hochgerannt bin! Jetzt sitzt ich hier und schreibe um wach zu bleiben (und euch auf dem laufenden zu halten natürlich).

Ich hoffe, dass man das meinem Schreibstil nicht allzudoll anmerkt, und dass ich jetzt nicht zu viel schreibe. Nicht dass am Ende keiner mehr liest weils zu lang ist.

Andrerseits komm ich ja auch immer seltener dazu hier zu schreiben. Deshalb jetzt und hier die einmalige Chance eine Pause einzulegen, und nächste Woche den selben Beitrag weiterzulesen. Nur n Vorschlag für die, die eigentlich jetzt gerade keine Zeit haben :D!

Was lehrt uns jetzt eigentlich diese Geschichte? Naja, die meisten von euch werden daraus wohl kaum lernen, ist ja nicht so einprägend und so wenn einem das nicht selber passiert! Aber ich werd vielleicht, bzw. Hoffentlich daraus lernen! Nur was?

Nachts schreibts sich besser... *
Nachts ist es ziemlich ruhig hier...**
Nachts fallen einem die Augen noch viel eher zu als tagsüber...***
Schwarzer Tee hilft beim wachbleiben...****
Und und und!

*bis hier: ca. 1000 Wörter in ca. 40 Minuten! Hätt ich mal sonen Schreibflash in ner Deutschklausur gehabt!
**nur die klischeehaft laut tickende Uhr nervt!
***Ho scoperto l'america! Ich bin n' ganz heller anscheinend!
****auch nicht ewig :/

Funny Story: bin grad runtergegangen um neuen Tee zu machen! Erkenntnis: schon scheisse wenn man die letzte Stufe übersieht und nichmal besoffen ist dabei. Aber nochmal glück gehabt, ist nix passiert!

Volle Konzentration jetzt aber nochmal! Augen auf den Bildschirm, Rücken grade, am Tee nippen, feststellen dass er noch zu heiss ist zum trinken, sich drüber freun weil man eigentlich den Scheiss so oder so satt hat und weiterschreiben nicht vergessen!

Zurück zum Thema: “Routine und was draus lernen und so”!

Hier in Camphill wird einem immer erzählt: Routine ist ganz wichtig für die Kinder! Warum? Routine gibt Sicherheit.

Solange die Kinder einen Routinierten Tagesablauf haben, solange sie sich sicher sein können zu wissen was als nächstes kommt, sind sie viel Ruhiger. Damit ist nicht gemeint, dass Hyperaktive Kinder auf einmal chilln, sondern dass sie ganz offensichtlich Sorgenfreier sind solange sie ihre Routine haben. Natürlich ist es nicht möglich eine 100%ig routinierte Welt für die Kinder zu erschaffen, wäre ja auch ein langweiliges Leben. Ein Bisschen, müssen sich auch die unsichersten anpassen. Hier kommt jetzt das Vertrauen ins Spiel. Solange das Kind seiner engsten Umgebung vertrauen kann, kann diese auch mal hier und da improvisieren bzw. sich verändern. Dass es Idioten wie mich gibt, die sowas grundlegendes wie Heute verplanen, nennt sich einfach Realität! Müssen die Betroffenen halt mit Leben. Bis jetzt scheine ich aber Glück zu haben, denn es ist schon 1:15 Uhr und Lewis schläft immernoch wie ein Stein :D.

Zu den Stichworten “Routine” und “Vertrauen” fällt mir aber zu eurem Leid noch mehr ein! Nach einer gewissen Zeit, in der man sich mit einer bestimmten Routine Vertraut gemacht hat, fängt man an ihr blind zu vertrauen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen an dem einem solche Fehler unterlaufen!

Genug der Pseudoweisheiten jetzt aber!

Ich war im Urlaub und davon wollte ich euch eigentlich schon vor einer Woche berichten. Wie das nunmal leider ist bin ich aber aus verschiedendsten Gründen (hauptsächlich einfache Faulheit) nicht dazu gekommen.

Ich bin vom 11en bis zum 18en Oktober den West Highland Way gelaufen. Ich könnte jetzt versuchen die ganzen 7 Tage einzeln aufzuarbeiten, aber das wär sowohl für mich als auch für euch langweilig! Deswegen nur Stichprobenartig.

Startpunkt der Reise: Glasgow!
Ziel: Fort William!
Strecke: ca. 170 Km.
Transport: zu Fuß.
Übernachtung: Zelt und 2 mal im Hostel.
Gepäck: alles was man zum Leben braucht, sprich zwischen 20 und 30 Kilo pro Rücken.
Teilnehmer: 6 und nach drei Tagen nur noch 4.
Gründe dafür: eine musste aufgeben und einer wollte nicht mehr wirklich.
Sinn des Ganzen: Verschiedenes.

Ergenbnis: Ein wunderbarer Urlaub! Eine neue Erfahrung! Viele tolle Bilder (in meinem Kopf und auf anderen Computern, bald auch hier wahrscheinlich)! Sich selbst und die anderen näher kennengelernt und vor allem: mal ganz unbekannte körperliche Grenzen kennengelernt.

Die Schottische Landschaft ist tatsächlich so schön wie man sie aus Erzählungen kennt. Täglich stellte sich die Frage: Warum bis nach Neuseeland reisen um den Herrn der Ringe zu verfilmen, wenn die wahre Inspiration doch so intakt ist?

Täglich sind wir über steinerne Brücken gelaufen und konnten uns wie Hobbits fühlen: mit viel Gepäck auf dem Rücken auf einem Abenteuer. Die Frage ob es wohl eher das Auenland sei, oder das Teletubbieland stand mehrmals in der Luft. Mal hat sie jemand ausgesprochen, mal wurde drüber diskutiert und mal war das alles garnicht nötig. Geniessen konnte man die Landschaft zum Glück jedes Mal.

Zwei Tage der Reise führten am berühmten Loch Lomond vorbei, welches als schönstes Loch Schottlands gilt und obwohl ich jetzt kein großer Kenner bin reihe ich mich gerne in die Reihe derjenigen ein, die das behaupten. Das Loch ist so schön, dass die inoffizielle (und eigentliche) Nationalhymne Schottlands von ihm handelt. Wenn Schottland im Fussball gewinnt oder England verliert, ertönt auf den Rängen, in den Pubs und auf den Straßen:

O ye’ll tak’ the high road
and I’ll tak’ the low road
And I’ll be in Scotland afore ye
For me and my true love will never meet again
On the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond...



Nach zwei Tagen die man also am Loch entlang läuft, gehts dann in die Highlands und der eigentliche Teil der Reise beginnt! Unbewohnte Flächen soweit das Auge reicht. Keine Häuser, wenige Strassen und Schafe und Kühe die mal auf dem Weg und öfters neben dem Weg stehen. Mittendrin wir!

Ein Erlebnis von dem ich erzählen muss: Eine Nacht haben wir mitten in der Wildnis unser Lager aufgeschlagen. Im grössten unbewohnten Gebiet Großbritanniens gibt es einen kleinen Hügel.
Am Horizont erscheint alle paar Minuten mal ein klitzekleines Licht: ein Auto auf einer fernen Strasse.
Im Windschatten des Hügels ein knallorangenes Zelt.
Feuerholz: wenig.
Feuer machen: unmöglich.
Auf dem Hügel: wir vier und eine Flasche Rotwein.
Auf unserer Rechten geht die Sonne unter, direkt vor uns ist ein Hügel noch in Sonnenlicht getaucht! Alles andere liegt bereits im Schatten.
Der Wind ist Sanft und alleine in der Welt der Geräusche.
Nachts im Zelt hört man die Kühe als stünden sie keine 5 Meter entfernt, dabei weiss man ganz genau, dass die letzten Kühe auf dem Weg schon mehrere Kilometer zurück liegen.
Am nächsten Morgen tobt der Wind.
Wir wollen früh los damit wir ein bisschen Strecke zurücklegen können.
Das Zelt flattert laut und ich bin der letzte der nicht aus dem muggelig warmen Schlafsack kommt.
Draussen wird schonmal Wasser vom Bach geholt, das Besteck gewaschen und porridge gekocht.
Robin (einer der Mitstreiter) kommt auf die genial Idee die Plane abzumachen.
Das Zelt bricht praktisch über mir zusammen, ich muss aufstehen.
Kurze Zeit später beginnt der Marsch!
Ein wunderbarer Tag liegt vor uns.

Die letzten zwei Tage sind die atemberaubendsten und wir natürlich die glücklichen die genau dann scheiss Wetter bekommen. Könnt ich im nachhinein etwas am Wetter ändern: ich würds genau so lassen! Man darf nicht in Schottland wandern gehen und mit durchgehend schönem Wetter rechnen.

Das hat die Reise jedenfalls nochmal gut abgerundet und zur Folge gehabt, dass drei der vier übriggebliebenen die Rückreise im Kranken-status antreten mussten. Johannes musste in Aberdeen angekommen Kotzen und ich, der andere Johannes habe gezittert wie ein Junkie, bin vor und zurück gewippt wie ein Verrückter und hab geatmet wie ein Sterbender. Im Rückblick betrachtet waren das wohl körperlich gesehen welche der schlimmsten Stunden in meinem Leben. Wenn man dabei jedoch Geistig glücklich ist, vergehen auch diese sehr schnell!

So! Genug Ihnalt-loses und -volles für Heute!

Ich bin des schreibens müde, ihr hoffentlich nicht des lesens.

Mir gehts wie immer gut, ich geniesse das Leben und freue mich riesig, dass die Kinder wieder Leben in den Laden bringen (obwohl ein Tag mehr Ferien auch nicht geschadet hätte und Familie, Heim und Freunde auch gut tun würden)!

Hoffe, dass es euch auch gut geht!

Es ist jetzt kurz vor 4 und ich bin hippelig wie n Kleinkind am Abend vor seinem Geburtstag!

Gute Nacht und bis bald!

Johannes

Ps: Highlight der Ferien war übrigens die Ankunft eines Pakets aus dem Herzen Berlins mit vielen tollen Fotos die jetzt über meinem Schreibtisch zusammen mit den anderen hängen und mein Zimmer viel heimischer erscheinen lassen.

Montag, 4. Oktober 2010

Still alive!

Ja mich gibts noch :) ja mir gehts immernoch gut :) und ja mir macht das Ganze hier immernoch Spaß :)

Nur Zeit finde ich leider kaum noch welche! Also noch weniger als vorher, was sehr schade ist. Zum Glück sind aber demnächst Ferien  und da hoffe ich dann mal Zeit für meinen Blog zu finden. Da ja heute mein freier Tag ist, beginnt für mich morgen meine letzte Schulwoche vor den Ferien. Am Freitag verlassen dann die Kinder nach und nach das Gelände und wir fangen damit an die Ordnung im Haus wieder herzustellen :P bevor es dann am Samstag mit einem BSS Workshop (Behavioural Support Strategies) losgeht. Sinn der Sach ist es glaube ich zu lernen wie man sich in Extremsituaionen die Körperkontakt erforden verhält. Sprich wenn ein Kind agressiv wird, auf einen losgeht oder so. Aber den genauen Sinn erfahr ich dann bestimmt dort. Der geht 2 Tage von morgens irgendwann bis 17:30 soweit ich weiss, was angenehm ist weil ein normaler Arbeitstag hier bis 21 Uhr geht.

Apropos normaler Arbeitstag! Statt über Matthew zu schreiben, was mir jetzt zu lange dauern würde, denk ich mal, dass ich euch mal einen normalen Tag so ein bisschen beschreibe.

Montag ist für mich der schönste weil freie Tag :D und der ist in der Regel dringend nötig. Ich arbeite von Dienstag bis Sonntag, wobei ich am Sonntag meinen “Half day off” habe, was heisst dass ich "schon" um 17:30 schluss habe.

Von Dienstag bis Freitag fange ich um 7 Uhr an, entweder damit das Frühstück vorzubereiten oder ein Kind zu wecken. Das heisst, dass ich bis dahin geduscht, Zähne geputz, etc. haben muss. Und nicht zu vergessen: den Hügel hinaufgelaufen sein muss! Oben im Haus angekommen wird dann kurz mit der night-nurse gequatscht wie denn das Kind so geschlafen hat: irgendwelche Besonderheiten, epileptische Anfälle, von wann bis wann geschlafen etc. . Da ich nur Lewis wecken muss ist das bei mir relativ easy da er oft schon wach ist und ja nicht zur Schule muss und auch nicht zum Frühstück. Dadurch ist der Morgen halt relativ berechenbar!

Nach dem Gespräch mit der night-nurse werden also die Vorhänge in seiner Ecke und in seinem Zimmer aufgezogen, guten Morgen gewünscht und das Licht von Aquarium wieder angemacht. Dann gehts zum Medizinschrank zum Pillen-zusammenschmeissen (darf ich jetz endlich auch selber machen und muss nicht mehr auf jemanden warten ders machen kann). Er schluckt an einem Morgen mehr Medikamente als ich in den letzten 3-4 Jahren, brauche also schon n paar Minuten die richtigen Kapseln abzufüllen, die richtigen Tropfen zu tropfen und son komisches Nahrungsergänzungsmittel in seinen Smoothie zu mixen. Das Ergenbnis stell ich ihm dann vors Bett  und bereite seine Zabürste vor. Bis dahin ist es 7:30 Uhr. Bleiben mir also noch 10 min um sein Früstück vorzubereiten, was darin besteht entweder Brote zu schmieren oder Cornflakes und Milch vorzubereiten und je noch ne Frucht und ein Glas Wasser dazuzustellen. Um 7:40 Uhr ertönt dann der Gong zum zweiten mal woraufhin sich die komplette Hausgemeinschaft, außer Lewis, im Flur trifft um das morgendliche Gebet zu sprechen, ein Lied zu singen und von Aiden vorgelesen zu bekommen was am Tag so ansteht. Dafür stellen wir uns alle im Kreis um ein Tischlein auf dem eine Kerze brennt. Am Ende der ganzen prozedur darf dann Noah, unser kleinstes Mitglied im Haus, die Kerze auspusten und alle machen sich auf den Weg ins Esszimmer.

Dort gibts dann üppiges Frühstück mit Brot, Cornflakes, Früchten und allerlei Aufstrichen. Ich esse in der Regel mit Scott, was für mich bedeutet dass ich ihm erstmal seine Medizin andrehen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, besonders wenn er keine Lust hat, denn dann dreht er durchgehend seinen Kopf weg und man muss ihm schön die Spritze durchgehend vor den Mund halten (scheint ziemlich ekliges Zeug zu sein). Einmal hat er sie bis zum Ende des Essens nicht genommen, was zu einem ziemlich steifen Arm meinerseits geführt hat und unsere House-coordinatorin ihn mehr oder weniger dazu zwingen musste sie zu nehmen. Aber meistens beschränkt sich das ganze auf unter 5 min. . Wenn Scott fertig ist mit seinen Spritzen und Pillen und dem Glas Wasser zum runterschlucken, muss er gefragt werden was er denn haben will. Die Antworten sind manchmal eindeutig, manchmal weniger eindeutig! Sobald man das jedenfalls herausgefunden hat,  kann man ihm dann das gewünschte vorbereiten. Danach darf ich dann auch essen, mit Unterbrechungen in denen er Nachschub benötigt.

Das Frühstück nimmt rund 40-50 min des Tages ein und wird gefolgt vom gemeinsamen Abwasch der dann nochmal n Weilchen dauert. In der Regel kann ich danach kurz durchatmen und auf Richard, Lewis' Lehrer warten. Sobald mit Richard das übliche “wie gehts Lewis” Gespräch beendet ist, lauf ich runter zur Schule. Die beginnt um 9:15 Uhr und geht bis 12:30 und beinhaltet eine Stunde Pause für mich in der ich in der Regel Schlaf nachhole.

Danach gehts wieder nach St. Christophers (das Haus in dem ich arbeite), Lewis “von der Schule abholen” und sein Mittag vorbereiten. Dann wird noch schnell das Essen auf den Tisch getragen und dann gegessen. Das Mittagessen ist dem Frühstück vom Ablauf her ähnlich, nur dass am Tisch gesungen wird und fast immer das selbe Lied!

The Lord is good to me,
and so I thank the Lord!
For giving me the things I need,
The sun the rain an the apple seed.
The Lord is good to me.

An every seed that falls,
will grow in to a tree,
and one day there'll,
be apples there,
for everyone in the world to share!
The Lord is good to me.

Halleluja, Amen!

Viele von euch werden sich wahrscheinlich wundern, dass ich da mitsinge (nicht nur wegen meiner weltbekannten Gesangskünste!) aber nach einiger Zeit hier gewöhnt man sich halt daran dem lieben Gott zu danken statt der Köchin. Freu mich zwar immernoch nicht darüber, aber es ist halt ne chrisilich orientierte Einrichtung.

Das Essen inklusive Abwasch dauert idealerweise eine Stunde (ist nicht immer der Fall) und dann beginnt die Resthour. Eine Stunde Pause (:D) in der ich mich wieder aufs Ohr hauen oder mal meine Mails checken und Facebook suchten kann.

Um 15 Uhr geht dann das Nachmittagsprogramm los. Je nachdem ob ich mit Scott oder Lewis bin (die+do:Scott, mi+fr:Lew) verbringe ich den ganzen Nachmittag drinnen oder draußen. Mit Lewis mach ich dann so sachen wie ihm vorlesen oder versuchen ihn zu baden (ist mir bis jetzt noch nicht gelungen, er kennt mich noch nicht gut genug) und änliches. Mit Scott gehen wir (sind in der Regel zu zweit mit ihm) spazieren, zum Spielplatz oder Schwimmen. Er hat jedoch auch gewisse Aufgaben zu erfüllen. Donnerstags z.B. hat er bisher immer den Kompost weggebracht und ähnliches. All das machen wir zwischen 15 Uhr und 21 Uhr. Um 17:30 Uhr (!!!) gibts Abendessen, da wird dann nicht mehr gesungen und das dauert dann bis ca. 19 Uhr erfahrungsgemäß (inklusive Abwasch).

Um 21 Uhr findet dann das “wie gehts Lewis/Scott” Gespräch mit der nächste night-nurse statt und ich bin entlassen :D. In der Regel mach ich dann Abends noch was mit den anderen Co-Workern, sei es Fussball, Basketball, Volleyball , Lagerfeuer, Filmeabend oder einfach feiern. Hab in den letzten 2 Wochen glaub ich nur zwei Abende auf meinem Zimmer verbracht weil ich einfach mal schlafen musste.

Das Wochenendprogramm sieht noch mal n bisschen anders aus, beinhaltet viel putzen, weniger Kinder im Haus und Arbeitsbeginn erst um 8.

Vielleicht kommt ja noch mal n Wochenend-special :P aber für mich ist jetzt erstmal wieder Schluss denn heute Abend wird mal wieder gefeiert und ich muss noch duschen.

Ich hoffe dass es euch allen bestens geht

Cheers
Johannes