Montag, 30. August 2010

Dies und das und Petra Pan!


Das ist die Aussicht die ich auf dem Weg vom Haus in dem ich arbeite zu dem in dem ich wohne geniessen darf. Sieht (in echt zumindest) jedes mal wunderbar aus! Garden Cottage, wo ich wohne liegt hinter dem Baum auf der linken Seite des Bildes und hat einen wirklich schönen Garten der sichhalb innerhalb dieser alten Steinmauer befindet. Was den Garten so besonders schön macht, ist ein kleiner Bach mit glasklarem Wasser und vielen, kleinen, rauschenden Wasserfällen. Man kann hier sehr schöne Landschaftsbilder machen! Man muss es nur tun :P.

Mir gehts übrigens immernoch wunderbar bevor ichs wieder vergesse! Ich habe heute das Fahrrad zu Ende repariert und bin jetzt endlich mobil und frei! Juhuu! Werds heute Abend gleich mal testen. Außerdem war diese Woche noch von anderen Geschehnissen gezeichnet. Schöne und ein weniger schöne.

Dieses weniger schöne war wohl das wichtigste für mich! Wie ihr ja vielleicht aus dem letzten Beitrag gelesen habt, hab ich nur darauf gewartet, dass Jon einmal aurastet. Das ist nun passiert und komischerweise bin ich extrem gut bei weggekommen. Das beruhigt und beunruhigt mich zur selben Zeit. Einerseits, weiss ich jetzt schonmal wie das aussieht wenn er ausrastet, andrerseits hat sich sein Ausraster nicht gegen mich gewendet obwohl ich gerade mit ihm gearbeitet habe und das verwundert mich.

Das Problem war folgendes: Jon sollte und wollte Basteln! Relativ schnell hatten wir uns auf Postkarten geeinigt. Leider hat Rabuma, sein Klassenkamerad, Angst vor Jon und leider waren Rabuma's und Jon's Tische zusammengeschoben worden weil Jon so oder so in einem anderen Raum basteln sollte. Dummerweise ist Jon aber direkt zu seinem Tisch gegangen. Beim Versuch ihn von dort wegzubekommen hat er dann blockiert, ist sitzen geblieben und lauter im Ton geworden. Unsere Reaktion war also die Tische wieder zu trennen damit Jon dort sitzen bleiben konnte und Rabuma weiterbasteln konnte. Daraufhin ist er eine Minute einfach still dort sitzen geblieben und dann plötzlich aufgesprung, auf Rabumas Tisch zugerannt und hat mit einem Klebestift geworfen. Bevor er mehr machen konnte (Rabuma hatte schon einen ganz schönen Schreck bekommen) hat René (sein Lehrer) in gepackt und in seinen Raum nebenan gebracht! Danach wollte Jon nicht mit mir reden für 5 Minuten bis dann wieder alles so gut wie vergessen war. War also alles nicht so schlimm für mich wie ich es erwartet hatte.

Das wars also für heute von Jon :P

Samstag Abend hatten wir hier auf dem Gelände eine sehr interessante Veranstaltung. Ein Vortrag, gehalten von einer Autistin. Eine erstaunliche Erfahrung, überraschende Einblicke in das Leben derer die mit Autismus geboren wurden. Ihr Name ist Ros Blackburn und ihr Autismus ist sehr ausgeprägt (weiss garnicht ob man das so sagen kann, aber ihr wisst ja was ich meine). Sie hat zum Glück ihre sprachlichen Barrieren grösstenteils überwunden und kann daher sehr gut Reden, was nicht immer so war. Man mag ihr manchmal kaum abkaufen, dass sie Autistin ist aber man merkt es doch schon an ihrem Verhalten. Sie scheint sich vieler Sachen sehr bewusst zu sein, kann aber nichts dagegen tun. Sie kann also vor 100 Menschen 1,5h lang sprechen ohne dass einem langweilig wird, schafft es aber nicht alleine die Strasse zu überqueren oder aufs Klo zu gehen (sieht man auch daran dass sie Windeln trägt). Es ist in sofern sehr hilfreich sie reden zu hören, weil man endlich versteht was einem Kind mit Autismus hilft und was überhaupt nicht. Nun ist Autismus nicht gleich Autismus weil es so viele verschieden Formen gibt und außerdem die meisten auch andere Probleme haben, aber vieles was sie gesagt hat, scheint universell für alle zu gelten. Aber ich will jetzt nicht alles versuchen zu wiederholen, es gibt ja auch ne Wikipedia Seite über Autismus :P !

Weil mir nich allzuviel Zeit bleibt und ich ja auch schon was geschrieben hab, werde ich euch jetzt etwas über Lauren erzählen. Was das mit der Zeit zu tun hat? Ich habe leider eher weniger mit Lauren zu tun und kann deshalb auch weniger über sie sagen. Aber man kann sich ja nicht 10-teilen und außerdem ist es vielleicht ganz gut wenn man sich auf weniger Kinder konzentriert als man vielleicht will.

Lauren ist unsere kleine Petra Pan! Sie ist 8 Jahre alt (glaub ich), leidet aber (wieder nur unter anderem) an einer Entwicklungsstörung, sie altert also mental sehr sehr langsam. Ihr geistiges Alter wird auf unter 2 geschätzt. Sie kann logischerweise nicht reden und macht auch so so ziemlich alles was ein Kleinkind so macht. Sie sabbert, robbt auf dem Boden herum, spielt gerne mit Babyspielzeugen und nimmt generell alles in den Mund was sie in die Finger bekommen kann. Da ist es dann an ihren Co-Workern, ihr je nach Bedarf, den Gegenstand wieder aus dem Mund zu nehmen. Beim Essen muss immer derjenige der ihr das Essen zubereitet darauf achten, dass ihr Essen weder Weizen- noch Milchprodukte enthält. Ausserdem muss ihr Essen, genau wie Scottis, kleingeschnitten werden damit sie es essen kann. Wie die meisten Kinder neigt sie aber dazu mehr auf den Löffel zu tun als in ihren Mund passt was wiederum den Co-Worker dazu zwingt schnell was von ihrem Löffel zu kratzen, möglichst so, dass es wieder auf den Teller fällt. Wenn nicht ist auch nicht so schlimm: Sie trägt ein grosses Lätzchen beim Essen. Was auffällig ist, ist dass Lauren umbedingt ihren persöhnlichen Raum braucht. Was ihr im falschen Moment zu nahe steht, wird weggestoßen! Man braucht sich also nicht zu wundern wenn auf einmal das Marmeladenglas einen Satz zur Seite macht. Das gehört zum Essen dazu! In der Regel hat Lauren also gegen Ende der Mahlzeit maximal ihren Teller vor sich zu stehen und sonst im Umkreis einer Armlänge nichts. Oft wird auch der Teller verabschiedet, dann aber nach einer Pause wieder in den Kreis gelassen oder wenn sie nicht mehr will auch nicht.

Wie viele andere hier auch im Moment war Lauren die letzten Tage ziemlich erkältet. Das hat dazu geführt, dass es viel ruhiger wurde beim Abendessen. Eigentlich würde man das ja als ganz Angenehm empfinden, ist in diesem Fall aber nicht so schön weil man ihr schon angesehen hat, dass sie ziemlich gelitten hat. Heute gings ihr aber schon deutlich besser, von daher ist die Welt ja in Ordnung.

Hab gerade einen Anruf bekommen! doch nicht Videoabend heute sondern: Lagerfeuer unten am Fluss. Find ich gut, das verschafft mir ein bisschen mehr Zeit :), auch wenn mich das jetzt ein bisschen aus dem Konzept gebracht hat. Hat allerdings auch so seine positiven Seiten. Mir ist aufgefallen, dass ich ja doch recht wenig über das Leben hier geschrieben hab bis jetzt, womit ich also mal anfangen werde.

Spontan entschieden: ich erzähl euch jetzt mal was über die Abende. Normalerweise arbeiten wir ja von 7 bis 21 Uhr mit zwei Pausen. Zum glück hab ich ja heute Frei und von daher trifft das mal nicht zu. Ob man dann auch pünktlich Schluss hat liegt natürlich in den Händen der Kinder! Wenn Scott eine Stunde länger im Bad braucht als geplant (was vorkommt), muss man halt auch ne Stunde länger arbeiten. Die Ironie des Schicksals will es, dass ich Scott genau an den beiden Abenden ins Bett bringen muss wenn Sport ansteht! Dienstags wird nämlich Fussball gespielt und Donnerstags Volleyball. Freitags wird theoretisch zwar auch Fussball gespielt, aber da man ja eher Feiern geht, fällt das auch mal aus!

Es sieht also so aus, dass an allen Tagen ausser Samstag und Montag irgendwas ansteht nach der Arbeit. (Mi: House evening und Sonntag ab nächster Woche wohl Basketball) Samstag wird in der Regel so oder so clubben gegangen und heute gibts ja das Lagerfeuer. Dieses straffe spätabendliche Programm hat akuten Schlafmangel zur Folge! Aber so ist das nunmal :P. Jedenfalls sind diese wenigen Stunden nach der Arbeit, die Zeit soziale Kontakte zu knüpfen und Spass zu haben. Das ist eine sehr schöne Sache an dem Laden hier: man lernt sehr viele nette Leute kennen, die dabei sind die selben Erfahrungen zu machen wie man selbst oder das ganze schon hinter sich haben. Ausserdem kann man in der Zeit entweder abschalten und sich über alles mögliche oder halt über das was einen im Moment so bewegt, meistens die Kinder, unterhalten.

Die Anteil an Deutschen hier ist übrigens riesig. Nicht nur, dass Zivildienst zum Exportgut geworden zu sein scheint, es sind auch mindestens genauso viele Frauen aus Deutschland hier. Es ist dann auch mal ganz nett ins Deutsche zurückfallen zu können. Der Nachteil ist allerdings: man lernt nicht sonderlich viel Englisch und meinen Wunsch mit einem schottischen Akzent wiederzukommen hab ich auch abgehakt!

Das letzte bisschen scheint mir sehr wirr geworden zu sein aber naja, müsst ihr halt mit leben :D

Damit verabschiede ich mich jetzt auch erstmal wieder und hoffe dass ich mich nächste Woche entweder auf Matthew oder auf Aiden konzentrieren kann! Bis dahin freu ich mich darauf!

Cheers!

Montag, 23. August 2010

If you don't like the weather in Scotland, just wait five minutes!



Eine Woche ist rum! Morgen oder Übermorgen schreib ich weiter hatte ich gesagt... ist nicht ganz was draus geworden! Es ist für mich einfach kaum möglich genug Zeit zu finden um zu schreiben, außer Montags weil ich das mein freier Tag ist.

Das letzte mal hab ich ja damit angefangen euch etwas über die Kinder zu erzählen! Mit Lewis und Scott waren das die beiden mit denen ich im Haus grösstenteils zusammenarbeite! Diese beiden in einem Eintrag zu beschreiben war jedoch relativ dumm weil mir logischerweise im Nachhinein noch viele wichtige Sachen eingefallen sind die ich hätte schreiben können aber das ist jetzt erstmal egal, ich werde versuchen das irgendwann nachzuholen wenn ich die beiden ein bisschen besser kennengelernt habe!

Weil zwei einer zu viel sind, werde ich mich heute auf Jon konzentrieren! Mit Jon verbringe ich während der Schulzeit die meiste Zeit was auf “nur” 2 Stunden am Tag begrenzt ist. Wie alle Kinder hier ist Jon ein Fall für sich. Er ist 9 Jahre alt, geht in die dritte Klasse und hat keine motorischen Einschränkungen oder so. Er würde auf der Strasse oder im Supermarkt also nicht weiter auffallen. Jon ist einen Tag später aus den Ferien zurückgekommen und hat mich total überrascht. Ich hatte vorher schon einiges über ihn gehört, alles verpackt in komischen Andeutungen die darauf hindeuteten dass das ein absoluter Problemfall sei. Was ich in den ersten Tagen von Jon gesehen habe war ein sehr fröhlicher, gut gelaunter neunjähriger der vielleicht nicht sooo gut in der Schule war aber ansonsten nicht weiter aufgefallen ist.

Das waren aber nur die ersten Tage! Nicht dass aus dem lieben Jungen ein böser geworden ist oder so aber wenn man mehr Zeit mit ihm verbringt fallen einem Dinge auf die schon sehr speziell und extrem sind und zumindest teilweise das bestätigen was mir über ihn erzählt wurde. Was das jetzt speziell für Sachen waren kommt später. Das hat mich jedenfalls stutzig gemacht, woraufhin ich angefangen hab mal ein bisschen genauer nachzufragen!

Erster Gedanke war natürlich Leute zu fragen die direkt mit ihm zusammengarbeitet haben, wodurch ich dann auch erfahren habe, dass ich Zugriff auf Akten der Schüler mit denen ich zusammenarbeite anfragen kann. Das hab ich dann auch gemacht und angefangen mir ein kleines Puzzle zusammenzustellen. Ich denke, dass das wichtigste was ich über ihn wissen muss sodaso nur im Umgang mit ihm zutage kommt! Trotzdem ist es relativ schwer den richtigen Umgang mit einem Kind zu finden, welches auf den ersten Blick so “normal” scheint! Deshalb auch das kleine Puzzle. Durch das was ich gehört und gelesen habe bis jetzt (bin noch nicht durch) ist es viel einfacher Verständnis aufzubringen für die Dinge die er tut.

Jon's Hauptproblem scheint seine Vergangenheit zu sein und nicht irgendein Syndrom! Ich werde sie jetzt hier nich explizit erläutern weils einfach keine schöne Geschichte ist und ich sie nicht gut genug kenne um sie aufschreiben zu können. Jedenfalls ist es extrem schwierig für ihn Vertrauen zu jemandem aufzubauen, weil so etwas wie Konstanz in seinem Umfeld total gefehlt hat und die ersten 3 Jahre seines Lebens mit seinen biologischen Eltern nicht die schönsten gewesen sein können. Ich will damit nicht sagen dass sie ihn nicht geliebt haben, das weiss ich nicht! Auf jeden Fall haben sie's nicht geschafft ihn aufzuziehen und die Basis für ein unstetiges Leben zu schaffen. Aus verschiedenen Gründen musste Jon in den letzten 6 Jahren mehrmals Familie wechseln und das nicht umbedingt seinetwegen. Welches Kind da die Welt noch versteht kann keine Kindheit gehabt haben.

Die Gründe weshalb er hier lebt und zur Schule geht sind also nicht nur auf seine Geburt zurückzuführen. Dieses Wissen erleichtert den Alltag mit ihm um einiges! Wenn er also keine Lust hat im Klassenzimmer zu sitzen, dann ist das halt so und man geht raus. Jon hat direkt neben dem Klassenzimmer seinen eigenen Raum in dem er einen großen Teil seiner Schulzeit verbringt. Darin befindet sich eine sehr grosse Strandmuschel, ein Sitzkissen, Sofapolster, Bettlaken, Decken, Kissen, Plüschtiere und ähnliches. Sprich alles was man sich als Kind so wünscht, wenn man sich im Wohnzimmer eine Höhle bauen will! Nicht dass er das jetzt die ganze Zeit macht, aber es kommt schonmal vor. Vor allem ist der Raum gut um Agressionen abzubauen, was nicht heisst dass er dort die ganze Zeit wild herumspringt und alles durch die Gegend wirft. Die meiste Zeit spielt er darin wie alle anderen Kinder es auch tun und das nicht alleine! Daraus lässt sich schliessen, dass auch ich einen Großteil meiner Zeit in der Schule in diesem Raum verbringe.

Wenn er wach und gut drauf ist, werfen wir uns einen Ball über die Strandmuschel hinweg zu oder er lässt ihn an ihr herunterkullern und ich werf ihn ihm wieder zu (was für mich auch ganz schöne Beschäftigungen sind, weil sie im Verhältnis zum Rest meines Tages ziemlich entspannend sind :D). Wenn er müde und gut drauf ist les ich ihm vor (das letzte Buch handelte von Narnia) oder er inszeniert die üblichen “Vater, Mutter, Kind” Spiele und ich muss mitmachen (was ich eher anstrengend finde weil es doch nicht ganz leicht ist sich zu verstellen wenn man nicht auf ner Bühne steht sondern im Hinterkopf hat, dass das das echte Leben ist). Wirklich komisch war es jedoch nur die ersten male, danach gewöhnt man sich an den Gedanken und es geht! Genau so ist es auch wenn er mal wieder heiratet, dann wickelt er sich sowas wie ein Brautkleid aus einem Lake z.B. und heiratet entweder mich oder eins der Plüschtiere oder er verheiratet zwei Plüschtiere miteinander! Alles ist möglich, er ist da sehr liberal! 

Was er am liebsten malt sind Herzen und schreiben kann er seinen Namen und den seiner “Main Co-workerin” Paula. Wenn er das macht bekommt man in der Regel den Satz "I'm so clever" zu hören was mich immer wieder freut weil man sieht, dass er noch jede Menge Stolz hat. Die Art von Stolz die für Kinder so wichtig ist! Das soll übrigens auch ein sehr guter Trick sein um ihn z.B. ins Bett zu kriegen obwohl es so Dunkel ist und er ein bisschen Angst hat ("But you are such a big boy" oder "brave boy" wahlweilse). Dass er sehr mutig ist beweist er in letzter Zeit fast Täglich. Ich hab ihm am ersten Tag gezeigt, dass Spinnen nix tun und man sie ruhig auf die Hand nehmen kann, was er seit dem nachmacht und sagt: "I'm soooo clever" woraufhin ich mich dann wieder freue.

Den Großteil der Zeit mit ihm hat man also schon Spass! Wovor aber andauernd gewarnt wird, sind seine Ausraster, die mich noch nicht wirklich erreicht haben aber bestimmt noch kommen werden. Eine Co-workerin die auch gerade erst gekommen ist hat das schon miterlebt und in dem Moment ziemlich hart getroffen. Morgen werd ich mich mal mit ihr zusammensetzen und hoffe mal, dass uns das beiden hilft.

Die einzige annähernd brenzlige Situation bis jetzt, war als ich mit Jon auf dem Gang Saß und sich eine ältere Schülerin neben mich gesetzt hat. Zuerst war er sehr lieb zu ihr, hat ihr mit ihrem Latz noch Essensreste aus dem Gesicht gewischt (sie schafft nicht ganz so viel alleine wie andere Kinder) und ich hab mich daneben gefreut was er für ein lieber Kerl ist. Als ich dann allerdings dort sitzen geblieben bin und mich mit einer Lehrerin unterhalten hab, ist Jon zurück in die zu dem Zeitpunkt leere Klasse gegangen. Weil der Moment so ruhig war, bin ich auch nicht sofort hinterhergerannt. Das nächste was ich gehört hab war zersplitterndes Glas. Jons Erklärung: es war der Plüschhund der die Blumenvase auf dem Lehrertisch kaputt gemacht hat! Ich hab natürlich gleich gesagt ich wisse ganz genau, dass er das war und das er das nicht nochmal machen sollte, zwar in ruhigem Ton aber das übliche halt.

Dass das mein Schuld war, hab ich erst später realisiert. Ich bin froh dass der Schaden sich auf eine Kaputte Vase begrentzt hat (und eine kleine Schnittwunde vom aufräumen :P ). Jetzt weiss ich, dass ich ihm in Zukunft immer das Gefühl geben muss für ihn dort zu sein. Jon muss immer im Mittelpunkt stehen, sonst fühlt er sich versetzt! Vertrauen wird er mir womöglich nie zu 100% aber sein volles Vertrauen verlieren kann ich sehr schnell und dann muss ich von vorne anfangen!


Und wieder bin ich müde, und wieder hab ich zu viel geschrieben (ne Mogli? :P), und wieder wüsste ich noch ein paar Sachen zu schreiben, und wieder sind keine Fotos dabei (weiss noch nicht ob ich überhaupt Fotos von den Kindern hochladen darf), und wahrscheinlich wird wieder eine Woche vergehen bis ich weiterschreiben kann.

Über wen ich nächste Woche schreiben werde weiss ich noch nicht, aber ich geb mir Mühe (vor allem weil ich am nächsten Montag Alex 30 in irgendeinem Kaff besuchen werde und dementsprechend Sonntag Abend schreiben muss).

Bevor ichs vergesse, vielleicht noch n bisl was über mich: mir gehts immernoch super, ich geniesse immer noch die Zeit hier, ich komm immernoch 5 Tage die Woche nicht vor 23:30 Uhr nach Hause und schon garnich ins Bett, weil immer irgendwas ist: Sport, Party, Chillung etc.. Außerdem ist Aberdeen eine sehr schöne Stadt, ich gebe mehr Geld aus als ich hier bekomme (160 Pfund im Monat) und werde meine Freizeit in den nächsten Tagen versuchen mit einer Fahrradreparatur zu verbringen (Teile hab ich heute gekauft) damit ich ein bisschen mobiler werde (Busnetz ist aber auch gut hier).

Alles ist schön, alles ist toll und ich bin vor allem müde.

Hoffe ich hab euch nicht gelangweilt :P

Cheers
Johannes

Ps: was zum Eintragstitel (Schottisches Sprichwort btw.)! Das Wetter ist echt nicht so schlecht bisher (von dem was ich so mitbekommen hab vielleicht sogar besser als in Berlin) und wenns regnet gehts schnell vorbei in der Regel. Außerdem hats hier erst drei mal richtig gegossen und wenn man dann grad unterwegs ist gibts nichts schöneres als das nächste Pub und n kühles Pint :D

Montag, 16. August 2010

Cheers

Unendlich viel ist passiert, unendlich viel werd ich nicht schreiben!An einer kleinen Zusammenfassung werd ich mich jedoch versuchen!
First things first: mir gehts super! Hab im Moment das Gefühl am richtigen Ort zu sein (und das liegt nicht am unschottischen Wetter). Ich lerne sehr viel, schlafe sehr wenig und genieße die Zeit in vollen Zügen.
Was mich am meisten beschäftigt bisher sind natürlich die Kinder. Mein Tag ist in zwei Teile einzuteilen: Schule und Haus. Morgens gehts um 7 im Haus los, um 9:15 geht die Schule los (1min Fußweg) und um 12:30 gehts dann im Haus weiter. Ich bin vier Kindern hauptsächlich zugeteilt: Lewis und Scott zu hause und Abbass und Jon in der Schule.
Alle sind sehr unterschiedliche Kinder und alle haben Probleme die für die meisten Menschen absolut nicht nachvollziehbar sind und für mich schwer zu beschreiben weil mein Durchblick nach einer Woche noch nicht ganz so gross ist. Lewis z.B. verbringt den Grossteil seines Tages im oberen Teil des Hauses. Er verlässt das Haus nur beim fangen spielen solange er hier ist. Zu Essen bringen wir ihm immer dann nach oben wenn wir selber Essen was aber nicht heisst dass er gleichzeitig mit dem Rest des Hauses ist. Meistens fängt er mit dem Frühstück an, wenn alle anderen bereits mit dem Abendbrot fertig sind. Vorher schafft ers nicht. Dann isst er jedoch alle drei Mahlzeiten auf einmal! Mit dem Zähneputzen ist es ähnlich, wir bereiten seine Zahnbürste vor aber er putzt sich nur sehr selten die Zähne. Er hat Probleme damit die einfachsten Dinge im Leben zu meistern weils einfach zu viel ist für ihn. So hab ich mir z.B. erzählen lassen dass es Stunden dauern kann bis er es schafft durch eine Tür zu laufen. In der zwischenzeit hält er sich oft die Ohren zu, besonders wenn man versucht mit ihm zu reden und nuschelt vor sich hin. Ab und zu hört man dann sehr deutlich Sachen wie "Stop" oder "Help" heraus was sich nicht umbedingt auf irgendwas was um ihn herum oder mit ihm passiert beziehen muss. Wenn er allein gelassen werden will sagt er dann auch "Go away". Lewis braucht sehr klare Strukturen im Leben um mit allem klarzukommen, so hat er z.B. einen Stundenplan für den ganzen Tag wo auch banal scheinende Sachen wie Aufwachen oder Zähneputzen draufstehen.
Mit Scott werd ich zu Hause am zweit-meisten zu tun haben. Er is das Gegenteil von Lewis in vielerlei Hinsicht. Scotti verbringt seine Zeit am liebsten draussen. Einer der ersten Sätze die ich geört hab als ich mit ihm zusammen gearbeitet hab war: "Das wichtigste wenn du mit Scott arbeitest ist dass er am Leben bleibt!".
Das war schonmal n ganz schöner Schock und die Erklärung dafür ist relativ einfach: Scott hat kein Gefühl für Gefahren. Ausserdem ist Scott nicht selbstständig, braucht also durchgehend jemanden der sich um ihn kümmert! Genau wie Lewis ist auch Scott Autist. Hinzu kommt das Scott inkontinent ist, was zur Folge hat dass ich mich jetzt schon ans Windelnwechseln gewöhnen werden muss. Gewaschen werden muss er auch, aber die Hemmungen auf meiner Seite sind in beiden Fällen schon am schwinden und er ist es ja so oder so gewohnt von anderen gewaschen zu werden.
Mit Scott unterwegs sein macht Spass und ist einer ganz neue Erfahrung. Es ist ein ziemlich komisches Gefühl eine Strecke vor sich zu haben die eigentlich 5-10 Minuten dauert aber nach einer Stunde noch nicht bewältigt ist. Das ist nicht immer der Fall und liegt auch nicht daran dass Scott ein langsamer Läufer ist (im Gegenteil) sondern daran dass er sich halt sehr oft einfach an den Strassenrand setzt und dort Gras zupft um es dann auf eine faszinierende Art und Weise mit Mittel- und Zeigefinger wegzuschnipsen. In dem Fall gibt es zwei Optionen: man versucht auf ihn einzureden und signalisiert ihm dass man weitermuss oder man chillt und wartet bis er wieder aufsteht und hofft dass er in die richtige Richtung weiterläuft. Ihn hochheben darf man nicht, wäre auch verrückt die Last eines 16jährigen mehrmals die Stunde zu heben. Wenn er erstmal Läuft muss man ihn davon ablenken zu seinen Lieblingsplätzen zu rennen (Sandkästen, Schaukeln die es hier überall gibt (:D) etc.) und hoffen dass ernicht losrennt. Es ist also eine sportlich sehr aktive Zeit die man mit Scott verbringt.
Man muss ausserdem nicht nur aufmerksam sein weil er Gefahren nicht erkennt sondern auch weil sowohl Lewis als auch Scott Epileptiker sind. Lewis hat selterner Anfälle, braucht dafür aber viel länger um sich von ihnen zu erholen während Scott oft Anfälle hat (auch mehrmals täglich) sich aber relativ schnell erholt. Die Anfälle sind unterschiedlich lang und auch von der Wirkung unterschiedlich, mal ist "nur" der Kopf der wegsackt, mal ist es der Oberkörper und mal fällt er hin. Dann ist er für kurze Zeit nicht ansprechbar und braucht ein bisl um wieder zu realisieren wo er eigentlich ist etc. . Epilepsie-training bekomm ich zum Glück noch und freu mich schon drauf!

Samstag, 7. August 2010

Naiv aber glücklich

Wie ein kleiner, glücklicher Junge bin ich heute zurück auf mein Zimmer getrottet, mit dem Gedanken: endlich hast du mal mindestens ne Stunde Zeit um zumindest die Schränke auszusaugen und deine Kleidung aus dem Koffer zu holen!

N Scheiss!

Staubsaugen hab ich noch geschafft und eine Nachricht hab ich geschrieben. Als ich gerade weitermachen wollte, hör ich wie ein Auto vor meinem Fenster hält und jemand ruft: "Johannes! Where are you? You were supposed to be at St. Christophers a few minutes ago!" oder irgendwie so...

Hintergrund war, dass Heute ein Ausflug zum Meer geplant war und ich verballert hatte das nachzulesen. Auf jeden Fall, sind wir dann ans Meer gefahren bei echt schottischem Wetter! Klingt grauenhaft, ist es aber überhaupt nicht. In Aberdeen fallen 90 cm Regen pro Quadratmeter und Jahr (Berlin rund 60 cm). D.h. dass es zwar sehr oft regnet aber eigentlich wirklich nur von Nieselregen die Rede sein kann. Hab also bestimmt schon zwei bis drei Stunden Regen erlebt hier aber der stört eigentlich nicht weiter. Wie auch immer, zurück zum Ausflug: übers Meer muss ich euch ja nicht viel erzählen, kennt ihr ja alle :P, was allerdings wenige wirklich kennen dürften ist eine neue Schottische Spezialität: Frittierte Marsriegel! Klingt abartig aber da ich bis jetzt nur positives darüber gehört hab musste ich es probieren! Mein Urteil: schmeckt schon ganz geil :) die anfängliche Skepsis verdirbt einem vllt. die ersten zwei Bisse aber bis kurz vorm Ende des Riegels schmeckts echt super. Nach einem Riegel ist dann allerdings auch erstmal genug!
Aufm Rückweg noch was zu trinken für die Kostümparty morgen eingekauft und dann ab nach Hause und in den Kostümkeller. Zur Party aber erst infos wenn se vorbei ist.

Freitag, 6. August 2010

Our little World

Weil heute so ein langer Tag war und es jetzt auch schon wieder halb eins ist und ich n bisl zu wenig Schlaf bekomm gibts ziemlich Kommentarlos ne Karte in der ich ein paar sachen markiert hab falls ihr euch mal n Bild machen wollt oder falls ich irgendwas laber und ihr nicht folgen könnt, ach kein Plan! Schaut sie euch an wenn euch langweilig is.

Für die, die zu schüchtern warn oben auf Karte zu klicken hier nochmal: Karte

Mittwoch, 4. August 2010

Sommer, Sonne, Schottland

Ein Schrei des Triumphs!
Die ganze Zeit hab ich Angst gehabt dass ich hier ankommen würde und kein bisschen blauen Himmel sehen würde. Denkste! Angenehme T-shirt Temperatur und dazu strahlend blauer Himmer. Hinzu kommen noch durchgehend nette Leute, gutes Essen und kein bisschen Langeweile. Da ich jetzt mal ne halbe Stunde Zeit hab, nutz ich diese um n paa Sachen zu erläutern!

Angefangen mit dem Namen des Blogs: Highlands and Haggis sind zwei Sachen die sofort mit Schottland in Verbindung gebracht werden (genau wie das schlechte Wetter) aber mit denen ich nicht viel zu tun habe.
Die Highlands befinden sich im Norden und obwohl Aberdeen fast 2 Flugstunden nördlich von London liegt, gehört Aberdeenshire nicht zu den Highlands sondern gerade noch so zu den Lowlands.
Zu Haggis: noch nie probiert und ich rechne auch nicht damit dass es mir schmecken wird! (kurz was Haggis ist: Schafsinnereien im Schafsmagen, Schottischeste unter den Schottischen Spezalitäten mit Whisky vielleicht)

Was mach ich jetzt eigentlich? Naja die ersten drei Tage gibt es ein sogenanntes "Induction Programme" an dem alle neuen "co-workers" teilnehmen und das dazu dient uns gegenseitig ein bisschen kennenzulernen aber uns vor allem die Grundregeln beibringen soll im Umgang mit den Kindern. Im Prinzip sind die nächsten drei Tage wie ein bisschen entspanntere Schultage (nich so mein Plan für die Zeit nach der Schule aber ok.). Die Überschriften waren Heute "Introduction to House & School Life" und "Child Protection". Beide sehr aufschlussreich.
Was danach kommt schreib ich dann...

Ich bin noch nicht dazu gekommen Fotos zu machen aber das ist erstmal die Sicht aus meinem Zimmer.
Machts gut, bis dann!

Just arrived

Es ist 19:41 Ortszeit (Berlin 20:41) an meinem ersten Tag in Schottland. Die Reise war sehr entspannt abgesehen davon, dass (schon wieder) mein Koffer nicht den Weg nach Aberdeen gefunden hat (diesmal bin ich jedoch gewappnet und hab n bisl was im Handgepäck). Hab dann am Flughafen mit Leonie auch gleich ein bekanntes Gesicht gesehen und erstmal ne Menge andere  Deutsche kennengelernt die, wunder oh wunder, auch alle dasselbe machen wie ich. Ich habe noch keinen genauen Überblick aber der Laden ist offensichtlich noch grösser als ich gedacht habe (insgesamt glaub ich drei kleine Dörfer). Vom Flughafen hat mich dann meine "house coordinator" abgeholt die auch deutsche ist. Ich wohne im "garden cottage" welches ein kleines Haus ist, ca. 3min Fußweg von dem Haus dem ich eigentlich zugeordnet bin (St. Christophers). Dort gabs dann auch ziemlich bald was zu essen was nach einem Tag ohne Mahlzeit (keine Zeit in London) sehr gut getan hat. Danach hat Jessica (house coordinator) mir und einer anderen coworkerin (mona, den ganzen namen kann ich mir noch nicht merken) das Gelände auf einem Spaziergang mit ihrem Sohn Noah gezeigt (schätze mal dass er ca 2 Jahre alt is. kann ein bisschen sprechen!).

An diesem Punkt musste ich zwischenspeichern weil ich losmusste (sprich der Text geht mitten in der Nach weiter).

Es ist jetz ca. 1 Uhr nachts und ich bin gut angetrunken. Außerdem kurz davor einzuschlafen deswegene halt ich mich kurz! Rest des Tages: Bier kaufen, zurücklaufen, Bier trinken bis alle neuen im Dorf nach Hause gegangen sind, mit den anderen weitertrinken und Jenga spielen, selber nach Hause laufen, den Link zum Blog weiterverlinken weils ja der erste Eintrag ist (endlich).
Mein Pegel zwingt mich jetzt aufzuhören und deswegen: have a good night and talk to you soon :D