Das ist die Aussicht die ich auf dem Weg vom Haus in dem ich arbeite zu dem in dem ich wohne geniessen darf. Sieht (in echt zumindest) jedes mal wunderbar aus! Garden Cottage, wo ich wohne liegt hinter dem Baum auf der linken Seite des Bildes und hat einen wirklich schönen Garten der sichhalb innerhalb dieser alten Steinmauer befindet. Was den Garten so besonders schön macht, ist ein kleiner Bach mit glasklarem Wasser und vielen, kleinen, rauschenden Wasserfällen. Man kann hier sehr schöne Landschaftsbilder machen! Man muss es nur tun :P.
Mir gehts übrigens immernoch wunderbar bevor ichs wieder vergesse! Ich habe heute das Fahrrad zu Ende repariert und bin jetzt endlich mobil und frei! Juhuu! Werds heute Abend gleich mal testen. Außerdem war diese Woche noch von anderen Geschehnissen gezeichnet. Schöne und ein weniger schöne.
Dieses weniger schöne war wohl das wichtigste für mich! Wie ihr ja vielleicht aus dem letzten Beitrag gelesen habt, hab ich nur darauf gewartet, dass Jon einmal aurastet. Das ist nun passiert und komischerweise bin ich extrem gut bei weggekommen. Das beruhigt und beunruhigt mich zur selben Zeit. Einerseits, weiss ich jetzt schonmal wie das aussieht wenn er ausrastet, andrerseits hat sich sein Ausraster nicht gegen mich gewendet obwohl ich gerade mit ihm gearbeitet habe und das verwundert mich.
Das Problem war folgendes: Jon sollte und wollte Basteln! Relativ schnell hatten wir uns auf Postkarten geeinigt. Leider hat Rabuma, sein Klassenkamerad, Angst vor Jon und leider waren Rabuma's und Jon's Tische zusammengeschoben worden weil Jon so oder so in einem anderen Raum basteln sollte. Dummerweise ist Jon aber direkt zu seinem Tisch gegangen. Beim Versuch ihn von dort wegzubekommen hat er dann blockiert, ist sitzen geblieben und lauter im Ton geworden. Unsere Reaktion war also die Tische wieder zu trennen damit Jon dort sitzen bleiben konnte und Rabuma weiterbasteln konnte. Daraufhin ist er eine Minute einfach still dort sitzen geblieben und dann plötzlich aufgesprung, auf Rabumas Tisch zugerannt und hat mit einem Klebestift geworfen. Bevor er mehr machen konnte (Rabuma hatte schon einen ganz schönen Schreck bekommen) hat René (sein Lehrer) in gepackt und in seinen Raum nebenan gebracht! Danach wollte Jon nicht mit mir reden für 5 Minuten bis dann wieder alles so gut wie vergessen war. War also alles nicht so schlimm für mich wie ich es erwartet hatte.
Das wars also für heute von Jon :P
Samstag Abend hatten wir hier auf dem Gelände eine sehr interessante Veranstaltung. Ein Vortrag, gehalten von einer Autistin. Eine erstaunliche Erfahrung, überraschende Einblicke in das Leben derer die mit Autismus geboren wurden. Ihr Name ist Ros Blackburn und ihr Autismus ist sehr ausgeprägt (weiss garnicht ob man das so sagen kann, aber ihr wisst ja was ich meine). Sie hat zum Glück ihre sprachlichen Barrieren grösstenteils überwunden und kann daher sehr gut Reden, was nicht immer so war. Man mag ihr manchmal kaum abkaufen, dass sie Autistin ist aber man merkt es doch schon an ihrem Verhalten. Sie scheint sich vieler Sachen sehr bewusst zu sein, kann aber nichts dagegen tun. Sie kann also vor 100 Menschen 1,5h lang sprechen ohne dass einem langweilig wird, schafft es aber nicht alleine die Strasse zu überqueren oder aufs Klo zu gehen (sieht man auch daran dass sie Windeln trägt). Es ist in sofern sehr hilfreich sie reden zu hören, weil man endlich versteht was einem Kind mit Autismus hilft und was überhaupt nicht. Nun ist Autismus nicht gleich Autismus weil es so viele verschieden Formen gibt und außerdem die meisten auch andere Probleme haben, aber vieles was sie gesagt hat, scheint universell für alle zu gelten. Aber ich will jetzt nicht alles versuchen zu wiederholen, es gibt ja auch ne Wikipedia Seite über Autismus :P !
Weil mir nich allzuviel Zeit bleibt und ich ja auch schon was geschrieben hab, werde ich euch jetzt etwas über Lauren erzählen. Was das mit der Zeit zu tun hat? Ich habe leider eher weniger mit Lauren zu tun und kann deshalb auch weniger über sie sagen. Aber man kann sich ja nicht 10-teilen und außerdem ist es vielleicht ganz gut wenn man sich auf weniger Kinder konzentriert als man vielleicht will.
Lauren ist unsere kleine Petra Pan! Sie ist 8 Jahre alt (glaub ich), leidet aber (wieder nur unter anderem) an einer Entwicklungsstörung, sie altert also mental sehr sehr langsam. Ihr geistiges Alter wird auf unter 2 geschätzt. Sie kann logischerweise nicht reden und macht auch so so ziemlich alles was ein Kleinkind so macht. Sie sabbert, robbt auf dem Boden herum, spielt gerne mit Babyspielzeugen und nimmt generell alles in den Mund was sie in die Finger bekommen kann. Da ist es dann an ihren Co-Workern, ihr je nach Bedarf, den Gegenstand wieder aus dem Mund zu nehmen. Beim Essen muss immer derjenige der ihr das Essen zubereitet darauf achten, dass ihr Essen weder Weizen- noch Milchprodukte enthält. Ausserdem muss ihr Essen, genau wie Scottis, kleingeschnitten werden damit sie es essen kann. Wie die meisten Kinder neigt sie aber dazu mehr auf den Löffel zu tun als in ihren Mund passt was wiederum den Co-Worker dazu zwingt schnell was von ihrem Löffel zu kratzen, möglichst so, dass es wieder auf den Teller fällt. Wenn nicht ist auch nicht so schlimm: Sie trägt ein grosses Lätzchen beim Essen. Was auffällig ist, ist dass Lauren umbedingt ihren persöhnlichen Raum braucht. Was ihr im falschen Moment zu nahe steht, wird weggestoßen! Man braucht sich also nicht zu wundern wenn auf einmal das Marmeladenglas einen Satz zur Seite macht. Das gehört zum Essen dazu! In der Regel hat Lauren also gegen Ende der Mahlzeit maximal ihren Teller vor sich zu stehen und sonst im Umkreis einer Armlänge nichts. Oft wird auch der Teller verabschiedet, dann aber nach einer Pause wieder in den Kreis gelassen oder wenn sie nicht mehr will auch nicht.
Wie viele andere hier auch im Moment war Lauren die letzten Tage ziemlich erkältet. Das hat dazu geführt, dass es viel ruhiger wurde beim Abendessen. Eigentlich würde man das ja als ganz Angenehm empfinden, ist in diesem Fall aber nicht so schön weil man ihr schon angesehen hat, dass sie ziemlich gelitten hat. Heute gings ihr aber schon deutlich besser, von daher ist die Welt ja in Ordnung.
Hab gerade einen Anruf bekommen! doch nicht Videoabend heute sondern: Lagerfeuer unten am Fluss. Find ich gut, das verschafft mir ein bisschen mehr Zeit :), auch wenn mich das jetzt ein bisschen aus dem Konzept gebracht hat. Hat allerdings auch so seine positiven Seiten. Mir ist aufgefallen, dass ich ja doch recht wenig über das Leben hier geschrieben hab bis jetzt, womit ich also mal anfangen werde.
Spontan entschieden: ich erzähl euch jetzt mal was über die Abende. Normalerweise arbeiten wir ja von 7 bis 21 Uhr mit zwei Pausen. Zum glück hab ich ja heute Frei und von daher trifft das mal nicht zu. Ob man dann auch pünktlich Schluss hat liegt natürlich in den Händen der Kinder! Wenn Scott eine Stunde länger im Bad braucht als geplant (was vorkommt), muss man halt auch ne Stunde länger arbeiten. Die Ironie des Schicksals will es, dass ich Scott genau an den beiden Abenden ins Bett bringen muss wenn Sport ansteht! Dienstags wird nämlich Fussball gespielt und Donnerstags Volleyball. Freitags wird theoretisch zwar auch Fussball gespielt, aber da man ja eher Feiern geht, fällt das auch mal aus!
Es sieht also so aus, dass an allen Tagen ausser Samstag und Montag irgendwas ansteht nach der Arbeit. (Mi: House evening und Sonntag ab nächster Woche wohl Basketball) Samstag wird in der Regel so oder so clubben gegangen und heute gibts ja das Lagerfeuer. Dieses straffe spätabendliche Programm hat akuten Schlafmangel zur Folge! Aber so ist das nunmal :P. Jedenfalls sind diese wenigen Stunden nach der Arbeit, die Zeit soziale Kontakte zu knüpfen und Spass zu haben. Das ist eine sehr schöne Sache an dem Laden hier: man lernt sehr viele nette Leute kennen, die dabei sind die selben Erfahrungen zu machen wie man selbst oder das ganze schon hinter sich haben. Ausserdem kann man in der Zeit entweder abschalten und sich über alles mögliche oder halt über das was einen im Moment so bewegt, meistens die Kinder, unterhalten.
Die Anteil an Deutschen hier ist übrigens riesig. Nicht nur, dass Zivildienst zum Exportgut geworden zu sein scheint, es sind auch mindestens genauso viele Frauen aus Deutschland hier. Es ist dann auch mal ganz nett ins Deutsche zurückfallen zu können. Der Nachteil ist allerdings: man lernt nicht sonderlich viel Englisch und meinen Wunsch mit einem schottischen Akzent wiederzukommen hab ich auch abgehakt!
Das letzte bisschen scheint mir sehr wirr geworden zu sein aber naja, müsst ihr halt mit leben :D
Damit verabschiede ich mich jetzt auch erstmal wieder und hoffe dass ich mich nächste Woche entweder auf Matthew oder auf Aiden konzentrieren kann! Bis dahin freu ich mich darauf!
Cheers!