Mitternachtsroutine?
Ne, nich falsch verstehen! So etwas wie eine Mitternachtsroutine gibts hier nicht! Nixda mit mitten in der Nach aufstehen oder so! Deswegen auch der Bindestrich.
Ich habe nämlich Heute eine Geschichte zu erzählen die sich mitten in der Nacht abspielt und mehr mit Routine zu tun hat als es vielleicht den Anschein hat.
Die Geschichte spielt sich jetzt gerade ab. In diesem Moment in dem ich sie aufschreibe. In ein paar Stunden wird sie vorbei sein, aber das ist jetzt auch egal, denn jetzt geht es erstmal darum die Geschichte fortlaufen zu lassen und sie gleichzeitig festzuhalten.
Ganz einfach: es ist zehn Minuten nach Mitternacht, wenn ich fertig bin ist es wahrscheinlich viel später, aber das tut nix zur Sache. Damit wäre schonmal das Mitternacht erklärt!
Bleiben noch die "Routine" und das "Spezial". Beide eigentlich auch ganz einfach: Routine weil sie mir fehlt, und spezial weils unerwartet kommt und ich erst vor einer halben Stunde entschieden habe jetzt zu schreiben. Nicht ganz freiwillig, das geb ich zu, aber ich bin definitiv selber Schuld.
Jetzt mal zur Geschichte: die Geschichte ist eigentlich egal wenn man bedenkt was ich euch so mitgeben will, aber dafür hat sie was lustiges. Sie spielt auf dem Flur in der ersten Etage des St. Christopher's House. Protagonist bin, Wunder-oh-Wunder, Ich. Nebendarsteller sind genau betrachtet alle die hier leben, und das Leben hier gestalten. Anwesend ist aber nur einer von denen: Lewis.
Lewis, manchen vielleicht schon bekannt, ist 16, Autist und Epileptiker und liegt seelenruhig 3 Meter hinter mir auf der Couch und pennt! Ganz entspannt möchte man denken, so wie ein Teenager eben aufm Sofa schläft! Oder egal wer und wie alt! Sofaschlafen halt!
Dass Lewis nicht in seinem Zimmer schläft, dürfte euch ja schon bekannt sein. Normalerweise schläft er auf einem anderen Sofa aber es macht jetzt keinen Sinn ihn aufzuwecken vor allem weil er dann wahrscheinlich garnicht mehr schlafen würde für den Rest der Nacht. Genauso wie ich es versuchen werde.
Haha! Ihr habts gemerkt: ja, das Ziel ist es nicht zu schlafen. Warum? Naja, Nachts sind ja normalerweise “Night-nurses” (Nacht-schwestern) im Haus die auf die Kinder aufpassen damit wir auch mal schlafen können. Nach diesem Satz brauch ich jetzt auch kein Geheimnis mehr draus zu machen: die “Night-nurse” für heute Nacht ist nicht da!
Schon wieder ein nerviges “Warum?”, dass die Geschichte nur noch langatmiger macht, aber in diesem fall prägt es sie wenigstens auch und über Umwege werd ich das jetzt erläutern. Die Night-nurses sind keine direkten Angestellten, sondern werden von einer Firma, die sich auf solche Dientsleistungen spezialisiert hat, geschickt. Wie das nunmal heutzutage so üblich ist.
Hat den Vorteil: ist billiger.
Hat den Nachteil: ist unzuverlässiger.
Also ist Heute die Night-nurse nicht erschienen! Was eigentlich keine Problem ist, denn dann kann man einfach bei dem Laden anrufen und die schicken jemand anderen.
Und da tritt unsere geliebte Routine ins Rampenlicht!
Wie in meinem letzten Eintrag berichtet gibt es ja zu jedem Schichtwechsel ein kleines Gespräch in dem besprochen wird wies so geht und was es so zu beachten gibt etc. . Das hat heute nicht stattgefunden. Der Grund ist simpel: ich hab nicht dran gedacht und die night-nurse war nicht da um mich dran zu erinnern.
Ergebnis: Ich bin ganz entspannt zu unserem Mittwöchentlichen “house-evening” gegangen und hab Lewis alleine gelassen (schlimm genug, aber er hat die 1,5 Stunden zu meinem Glück schadlos überstanden und seinen Frieden genossen). Besser wurde es danach!
Helen, meine “Supervisorin” (gut eingedeutscht, ich weiss), kommt auf mich zu und macht mich auf meinen Fehler Aufmerksam. Ich hatte nach 19 Tagen ohne die tägliche Routine, diesen Wichtigen Teil vergessen. Im diesem Notfall macht man folgendes: man ruft unsern geliebten Dienstleistungszulieferer an und sagt: “Euer Kerl is nich gekommen!”. Da man das aber in der Regel schon macht wenn der 15-20 Minuten zu spät ist, sagt der auch in der Regel: “Ja ok ich ruf ihn an und schick ihn rüber oder besorg nen neuen oder so!” Im Grunde: “Wir regeln das schon, ein bisschen Geduld bitte!” Da mein Anruf aber nicht der Regel entsprach, lautete die Antwort: “kommt n bisl spät der Anruf, ich schau was ich machen kann und ruf in 5 Minuten zurück!”
Zu dem Zeitpunkt war es dann auch schon 22:00 Uhr. Um 23:00 Uhr kam mir das dann ein bisschen komisch vor. Also: nochmal angerufen. Die Stimme am anderen Ende der Leitung war auf einmal viel angenehmer, hatte aber auch keinen schottischen Akzent mehr. Stellte sich heraus: die nette schottische Dame hatte schon Feierabend und es nicht mehr geschafft einen Ersatz zu besorgen. Deswegen wurde ich nach England in die Zentrale durchgestellt die mir diese Nachricht dann überliefern durfte.
Nach einem kurzen Brainstorming mit Rodrigo und Jessica war dann klar: ich bleib hier, so wach wie ich es schaffe und pass auf, dass Lewis im Falle eines epileptischen Anfalls versorgt wird!
Da Rodrigo so oder so noch wach war, hat er kurz aufgepasst während ich schnell runter gerannt bin, meine Zähne geputzt hab, ne Jogginghose angezogen hab, meinen Laptop eingepackt hab und wieder hochgerannt bin! Jetzt sitzt ich hier und schreibe um wach zu bleiben (und euch auf dem laufenden zu halten natürlich).
Ich hoffe, dass man das meinem Schreibstil nicht allzudoll anmerkt, und dass ich jetzt nicht zu viel schreibe. Nicht dass am Ende keiner mehr liest weils zu lang ist.
Andrerseits komm ich ja auch immer seltener dazu hier zu schreiben. Deshalb jetzt und hier die einmalige Chance eine Pause einzulegen, und nächste Woche den selben Beitrag weiterzulesen. Nur n Vorschlag für die, die eigentlich jetzt gerade keine Zeit haben :D!
Was lehrt uns jetzt eigentlich diese Geschichte? Naja, die meisten von euch werden daraus wohl kaum lernen, ist ja nicht so einprägend und so wenn einem das nicht selber passiert! Aber ich werd vielleicht, bzw. Hoffentlich daraus lernen! Nur was?
Nachts schreibts sich besser... *
Nachts ist es ziemlich ruhig hier...**
Nachts fallen einem die Augen noch viel eher zu als tagsüber...***
Schwarzer Tee hilft beim wachbleiben...****
Und und und!
*bis hier: ca. 1000 Wörter in ca. 40 Minuten! Hätt ich mal sonen Schreibflash in ner Deutschklausur gehabt!
**nur die klischeehaft laut tickende Uhr nervt!
***Ho scoperto l'america! Ich bin n' ganz heller anscheinend!
****auch nicht ewig :/
Funny Story: bin grad runtergegangen um neuen Tee zu machen! Erkenntnis: schon scheisse wenn man die letzte Stufe übersieht und nichmal besoffen ist dabei. Aber nochmal glück gehabt, ist nix passiert!
Volle Konzentration jetzt aber nochmal! Augen auf den Bildschirm, Rücken grade, am Tee nippen, feststellen dass er noch zu heiss ist zum trinken, sich drüber freun weil man eigentlich den Scheiss so oder so satt hat und weiterschreiben nicht vergessen!
Zurück zum Thema: “Routine und was draus lernen und so”!
Hier in Camphill wird einem immer erzählt: Routine ist ganz wichtig für die Kinder! Warum? Routine gibt Sicherheit.
Solange die Kinder einen Routinierten Tagesablauf haben, solange sie sich sicher sein können zu wissen was als nächstes kommt, sind sie viel Ruhiger. Damit ist nicht gemeint, dass Hyperaktive Kinder auf einmal chilln, sondern dass sie ganz offensichtlich Sorgenfreier sind solange sie ihre Routine haben. Natürlich ist es nicht möglich eine 100%ig routinierte Welt für die Kinder zu erschaffen, wäre ja auch ein langweiliges Leben. Ein Bisschen, müssen sich auch die unsichersten anpassen. Hier kommt jetzt das Vertrauen ins Spiel. Solange das Kind seiner engsten Umgebung vertrauen kann, kann diese auch mal hier und da improvisieren bzw. sich verändern. Dass es Idioten wie mich gibt, die sowas grundlegendes wie Heute verplanen, nennt sich einfach Realität! Müssen die Betroffenen halt mit Leben. Bis jetzt scheine ich aber Glück zu haben, denn es ist schon 1:15 Uhr und Lewis schläft immernoch wie ein Stein :D.
Zu den Stichworten “Routine” und “Vertrauen” fällt mir aber zu eurem Leid noch mehr ein! Nach einer gewissen Zeit, in der man sich mit einer bestimmten Routine Vertraut gemacht hat, fängt man an ihr blind zu vertrauen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen an dem einem solche Fehler unterlaufen!
Genug der Pseudoweisheiten jetzt aber!
Ich war im Urlaub und davon wollte ich euch eigentlich schon vor einer Woche berichten. Wie das nunmal leider ist bin ich aber aus verschiedendsten Gründen (hauptsächlich einfache Faulheit) nicht dazu gekommen.
Ich bin vom 11en bis zum 18en Oktober den West Highland Way gelaufen. Ich könnte jetzt versuchen die ganzen 7 Tage einzeln aufzuarbeiten, aber das wär sowohl für mich als auch für euch langweilig! Deswegen nur Stichprobenartig.
Startpunkt der Reise: Glasgow!
Ziel: Fort William!
Strecke: ca. 170 Km.
Transport: zu Fuß.
Übernachtung: Zelt und 2 mal im Hostel.
Gepäck: alles was man zum Leben braucht, sprich zwischen 20 und 30 Kilo pro Rücken.
Teilnehmer: 6 und nach drei Tagen nur noch 4.
Gründe dafür: eine musste aufgeben und einer wollte nicht mehr wirklich.
Sinn des Ganzen: Verschiedenes.
Ergenbnis: Ein wunderbarer Urlaub! Eine neue Erfahrung! Viele tolle Bilder (in meinem Kopf und auf anderen Computern, bald auch hier wahrscheinlich)! Sich selbst und die anderen näher kennengelernt und vor allem: mal ganz unbekannte körperliche Grenzen kennengelernt.
Die Schottische Landschaft ist tatsächlich so schön wie man sie aus Erzählungen kennt. Täglich stellte sich die Frage: Warum bis nach Neuseeland reisen um den Herrn der Ringe zu verfilmen, wenn die wahre Inspiration doch so intakt ist?
Täglich sind wir über steinerne Brücken gelaufen und konnten uns wie Hobbits fühlen: mit viel Gepäck auf dem Rücken auf einem Abenteuer. Die Frage ob es wohl eher das Auenland sei, oder das Teletubbieland stand mehrmals in der Luft. Mal hat sie jemand ausgesprochen, mal wurde drüber diskutiert und mal war das alles garnicht nötig. Geniessen konnte man die Landschaft zum Glück jedes Mal.
Zwei Tage der Reise führten am berühmten Loch Lomond vorbei, welches als schönstes Loch Schottlands gilt und obwohl ich jetzt kein großer Kenner bin reihe ich mich gerne in die Reihe derjenigen ein, die das behaupten. Das Loch ist so schön, dass die inoffizielle (und eigentliche) Nationalhymne Schottlands von ihm handelt. Wenn Schottland im Fussball gewinnt oder England verliert, ertönt auf den Rängen, in den Pubs und auf den Straßen:
O ye’ll tak’ the high road
and I’ll tak’ the low road
And I’ll be in Scotland afore ye
For me and my true love will never meet again
On the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond...
Nach zwei Tagen die man also am Loch entlang läuft, gehts dann in die Highlands und der eigentliche Teil der Reise beginnt! Unbewohnte Flächen soweit das Auge reicht. Keine Häuser, wenige Strassen und Schafe und Kühe die mal auf dem Weg und öfters neben dem Weg stehen. Mittendrin wir!
Ein Erlebnis von dem ich erzählen muss: Eine Nacht haben wir mitten in der Wildnis unser Lager aufgeschlagen. Im grössten unbewohnten Gebiet Großbritanniens gibt es einen kleinen Hügel.
Am Horizont erscheint alle paar Minuten mal ein klitzekleines Licht: ein Auto auf einer fernen Strasse.
Im Windschatten des Hügels ein knallorangenes Zelt.
Feuerholz: wenig.
Feuer machen: unmöglich.
Auf dem Hügel: wir vier und eine Flasche Rotwein.
Auf unserer Rechten geht die Sonne unter, direkt vor uns ist ein Hügel noch in Sonnenlicht getaucht! Alles andere liegt bereits im Schatten.
Der Wind ist Sanft und alleine in der Welt der Geräusche.
Nachts im Zelt hört man die Kühe als stünden sie keine 5 Meter entfernt, dabei weiss man ganz genau, dass die letzten Kühe auf dem Weg schon mehrere Kilometer zurück liegen.
Am nächsten Morgen tobt der Wind.
Wir wollen früh los damit wir ein bisschen Strecke zurücklegen können.
Das Zelt flattert laut und ich bin der letzte der nicht aus dem muggelig warmen Schlafsack kommt.
Draussen wird schonmal Wasser vom Bach geholt, das Besteck gewaschen und porridge gekocht.
Robin (einer der Mitstreiter) kommt auf die genial Idee die Plane abzumachen.
Das Zelt bricht praktisch über mir zusammen, ich muss aufstehen.
Kurze Zeit später beginnt der Marsch!
Ein wunderbarer Tag liegt vor uns.
Die letzten zwei Tage sind die atemberaubendsten und wir natürlich die glücklichen die genau dann scheiss Wetter bekommen. Könnt ich im nachhinein etwas am Wetter ändern: ich würds genau so lassen! Man darf nicht in Schottland wandern gehen und mit durchgehend schönem Wetter rechnen.
Das hat die Reise jedenfalls nochmal gut abgerundet und zur Folge gehabt, dass drei der vier übriggebliebenen die Rückreise im Kranken-status antreten mussten. Johannes musste in Aberdeen angekommen Kotzen und ich, der andere Johannes habe gezittert wie ein Junkie, bin vor und zurück gewippt wie ein Verrückter und hab geatmet wie ein Sterbender. Im Rückblick betrachtet waren das wohl körperlich gesehen welche der schlimmsten Stunden in meinem Leben. Wenn man dabei jedoch Geistig glücklich ist, vergehen auch diese sehr schnell!
So! Genug Ihnalt-loses und -volles für Heute!
Ich bin des schreibens müde, ihr hoffentlich nicht des lesens.
Mir gehts wie immer gut, ich geniesse das Leben und freue mich riesig, dass die Kinder wieder Leben in den Laden bringen (obwohl ein Tag mehr Ferien auch nicht geschadet hätte und Familie, Heim und Freunde auch gut tun würden)!
Hoffe, dass es euch auch gut geht!
Es ist jetzt kurz vor 4 und ich bin hippelig wie n Kleinkind am Abend vor seinem Geburtstag!
Gute Nacht und bis bald!
Johannes
Ps: Highlight der Ferien war übrigens die Ankunft eines Pakets aus dem Herzen Berlins mit vielen tollen Fotos die jetzt über meinem Schreibtisch zusammen mit den anderen hängen und mein Zimmer viel heimischer erscheinen lassen.
Ich habe nämlich Heute eine Geschichte zu erzählen die sich mitten in der Nacht abspielt und mehr mit Routine zu tun hat als es vielleicht den Anschein hat.
Die Geschichte spielt sich jetzt gerade ab. In diesem Moment in dem ich sie aufschreibe. In ein paar Stunden wird sie vorbei sein, aber das ist jetzt auch egal, denn jetzt geht es erstmal darum die Geschichte fortlaufen zu lassen und sie gleichzeitig festzuhalten.
Ganz einfach: es ist zehn Minuten nach Mitternacht, wenn ich fertig bin ist es wahrscheinlich viel später, aber das tut nix zur Sache. Damit wäre schonmal das Mitternacht erklärt!
Bleiben noch die "Routine" und das "Spezial". Beide eigentlich auch ganz einfach: Routine weil sie mir fehlt, und spezial weils unerwartet kommt und ich erst vor einer halben Stunde entschieden habe jetzt zu schreiben. Nicht ganz freiwillig, das geb ich zu, aber ich bin definitiv selber Schuld.
Jetzt mal zur Geschichte: die Geschichte ist eigentlich egal wenn man bedenkt was ich euch so mitgeben will, aber dafür hat sie was lustiges. Sie spielt auf dem Flur in der ersten Etage des St. Christopher's House. Protagonist bin, Wunder-oh-Wunder, Ich. Nebendarsteller sind genau betrachtet alle die hier leben, und das Leben hier gestalten. Anwesend ist aber nur einer von denen: Lewis.
Lewis, manchen vielleicht schon bekannt, ist 16, Autist und Epileptiker und liegt seelenruhig 3 Meter hinter mir auf der Couch und pennt! Ganz entspannt möchte man denken, so wie ein Teenager eben aufm Sofa schläft! Oder egal wer und wie alt! Sofaschlafen halt!
Dass Lewis nicht in seinem Zimmer schläft, dürfte euch ja schon bekannt sein. Normalerweise schläft er auf einem anderen Sofa aber es macht jetzt keinen Sinn ihn aufzuwecken vor allem weil er dann wahrscheinlich garnicht mehr schlafen würde für den Rest der Nacht. Genauso wie ich es versuchen werde.
Haha! Ihr habts gemerkt: ja, das Ziel ist es nicht zu schlafen. Warum? Naja, Nachts sind ja normalerweise “Night-nurses” (Nacht-schwestern) im Haus die auf die Kinder aufpassen damit wir auch mal schlafen können. Nach diesem Satz brauch ich jetzt auch kein Geheimnis mehr draus zu machen: die “Night-nurse” für heute Nacht ist nicht da!
Schon wieder ein nerviges “Warum?”, dass die Geschichte nur noch langatmiger macht, aber in diesem fall prägt es sie wenigstens auch und über Umwege werd ich das jetzt erläutern. Die Night-nurses sind keine direkten Angestellten, sondern werden von einer Firma, die sich auf solche Dientsleistungen spezialisiert hat, geschickt. Wie das nunmal heutzutage so üblich ist.
Hat den Vorteil: ist billiger.
Hat den Nachteil: ist unzuverlässiger.
Also ist Heute die Night-nurse nicht erschienen! Was eigentlich keine Problem ist, denn dann kann man einfach bei dem Laden anrufen und die schicken jemand anderen.
Und da tritt unsere geliebte Routine ins Rampenlicht!
Wie in meinem letzten Eintrag berichtet gibt es ja zu jedem Schichtwechsel ein kleines Gespräch in dem besprochen wird wies so geht und was es so zu beachten gibt etc. . Das hat heute nicht stattgefunden. Der Grund ist simpel: ich hab nicht dran gedacht und die night-nurse war nicht da um mich dran zu erinnern.
Ergebnis: Ich bin ganz entspannt zu unserem Mittwöchentlichen “house-evening” gegangen und hab Lewis alleine gelassen (schlimm genug, aber er hat die 1,5 Stunden zu meinem Glück schadlos überstanden und seinen Frieden genossen). Besser wurde es danach!
Helen, meine “Supervisorin” (gut eingedeutscht, ich weiss), kommt auf mich zu und macht mich auf meinen Fehler Aufmerksam. Ich hatte nach 19 Tagen ohne die tägliche Routine, diesen Wichtigen Teil vergessen. Im diesem Notfall macht man folgendes: man ruft unsern geliebten Dienstleistungszulieferer an und sagt: “Euer Kerl is nich gekommen!”. Da man das aber in der Regel schon macht wenn der 15-20 Minuten zu spät ist, sagt der auch in der Regel: “Ja ok ich ruf ihn an und schick ihn rüber oder besorg nen neuen oder so!” Im Grunde: “Wir regeln das schon, ein bisschen Geduld bitte!” Da mein Anruf aber nicht der Regel entsprach, lautete die Antwort: “kommt n bisl spät der Anruf, ich schau was ich machen kann und ruf in 5 Minuten zurück!”
Zu dem Zeitpunkt war es dann auch schon 22:00 Uhr. Um 23:00 Uhr kam mir das dann ein bisschen komisch vor. Also: nochmal angerufen. Die Stimme am anderen Ende der Leitung war auf einmal viel angenehmer, hatte aber auch keinen schottischen Akzent mehr. Stellte sich heraus: die nette schottische Dame hatte schon Feierabend und es nicht mehr geschafft einen Ersatz zu besorgen. Deswegen wurde ich nach England in die Zentrale durchgestellt die mir diese Nachricht dann überliefern durfte.
Nach einem kurzen Brainstorming mit Rodrigo und Jessica war dann klar: ich bleib hier, so wach wie ich es schaffe und pass auf, dass Lewis im Falle eines epileptischen Anfalls versorgt wird!
Da Rodrigo so oder so noch wach war, hat er kurz aufgepasst während ich schnell runter gerannt bin, meine Zähne geputzt hab, ne Jogginghose angezogen hab, meinen Laptop eingepackt hab und wieder hochgerannt bin! Jetzt sitzt ich hier und schreibe um wach zu bleiben (und euch auf dem laufenden zu halten natürlich).
Ich hoffe, dass man das meinem Schreibstil nicht allzudoll anmerkt, und dass ich jetzt nicht zu viel schreibe. Nicht dass am Ende keiner mehr liest weils zu lang ist.
Andrerseits komm ich ja auch immer seltener dazu hier zu schreiben. Deshalb jetzt und hier die einmalige Chance eine Pause einzulegen, und nächste Woche den selben Beitrag weiterzulesen. Nur n Vorschlag für die, die eigentlich jetzt gerade keine Zeit haben :D!
Was lehrt uns jetzt eigentlich diese Geschichte? Naja, die meisten von euch werden daraus wohl kaum lernen, ist ja nicht so einprägend und so wenn einem das nicht selber passiert! Aber ich werd vielleicht, bzw. Hoffentlich daraus lernen! Nur was?
Nachts schreibts sich besser... *
Nachts ist es ziemlich ruhig hier...**
Nachts fallen einem die Augen noch viel eher zu als tagsüber...***
Schwarzer Tee hilft beim wachbleiben...****
Und und und!
*bis hier: ca. 1000 Wörter in ca. 40 Minuten! Hätt ich mal sonen Schreibflash in ner Deutschklausur gehabt!
**nur die klischeehaft laut tickende Uhr nervt!
***Ho scoperto l'america! Ich bin n' ganz heller anscheinend!
****auch nicht ewig :/
Funny Story: bin grad runtergegangen um neuen Tee zu machen! Erkenntnis: schon scheisse wenn man die letzte Stufe übersieht und nichmal besoffen ist dabei. Aber nochmal glück gehabt, ist nix passiert!
Volle Konzentration jetzt aber nochmal! Augen auf den Bildschirm, Rücken grade, am Tee nippen, feststellen dass er noch zu heiss ist zum trinken, sich drüber freun weil man eigentlich den Scheiss so oder so satt hat und weiterschreiben nicht vergessen!
Zurück zum Thema: “Routine und was draus lernen und so”!
Hier in Camphill wird einem immer erzählt: Routine ist ganz wichtig für die Kinder! Warum? Routine gibt Sicherheit.
Solange die Kinder einen Routinierten Tagesablauf haben, solange sie sich sicher sein können zu wissen was als nächstes kommt, sind sie viel Ruhiger. Damit ist nicht gemeint, dass Hyperaktive Kinder auf einmal chilln, sondern dass sie ganz offensichtlich Sorgenfreier sind solange sie ihre Routine haben. Natürlich ist es nicht möglich eine 100%ig routinierte Welt für die Kinder zu erschaffen, wäre ja auch ein langweiliges Leben. Ein Bisschen, müssen sich auch die unsichersten anpassen. Hier kommt jetzt das Vertrauen ins Spiel. Solange das Kind seiner engsten Umgebung vertrauen kann, kann diese auch mal hier und da improvisieren bzw. sich verändern. Dass es Idioten wie mich gibt, die sowas grundlegendes wie Heute verplanen, nennt sich einfach Realität! Müssen die Betroffenen halt mit Leben. Bis jetzt scheine ich aber Glück zu haben, denn es ist schon 1:15 Uhr und Lewis schläft immernoch wie ein Stein :D.
Zu den Stichworten “Routine” und “Vertrauen” fällt mir aber zu eurem Leid noch mehr ein! Nach einer gewissen Zeit, in der man sich mit einer bestimmten Routine Vertraut gemacht hat, fängt man an ihr blind zu vertrauen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen an dem einem solche Fehler unterlaufen!
Genug der Pseudoweisheiten jetzt aber!
Ich war im Urlaub und davon wollte ich euch eigentlich schon vor einer Woche berichten. Wie das nunmal leider ist bin ich aber aus verschiedendsten Gründen (hauptsächlich einfache Faulheit) nicht dazu gekommen.
Ich bin vom 11en bis zum 18en Oktober den West Highland Way gelaufen. Ich könnte jetzt versuchen die ganzen 7 Tage einzeln aufzuarbeiten, aber das wär sowohl für mich als auch für euch langweilig! Deswegen nur Stichprobenartig.
Startpunkt der Reise: Glasgow!
Ziel: Fort William!
Strecke: ca. 170 Km.
Transport: zu Fuß.
Übernachtung: Zelt und 2 mal im Hostel.
Gepäck: alles was man zum Leben braucht, sprich zwischen 20 und 30 Kilo pro Rücken.
Teilnehmer: 6 und nach drei Tagen nur noch 4.
Gründe dafür: eine musste aufgeben und einer wollte nicht mehr wirklich.
Sinn des Ganzen: Verschiedenes.
Ergenbnis: Ein wunderbarer Urlaub! Eine neue Erfahrung! Viele tolle Bilder (in meinem Kopf und auf anderen Computern, bald auch hier wahrscheinlich)! Sich selbst und die anderen näher kennengelernt und vor allem: mal ganz unbekannte körperliche Grenzen kennengelernt.
Die Schottische Landschaft ist tatsächlich so schön wie man sie aus Erzählungen kennt. Täglich stellte sich die Frage: Warum bis nach Neuseeland reisen um den Herrn der Ringe zu verfilmen, wenn die wahre Inspiration doch so intakt ist?
Täglich sind wir über steinerne Brücken gelaufen und konnten uns wie Hobbits fühlen: mit viel Gepäck auf dem Rücken auf einem Abenteuer. Die Frage ob es wohl eher das Auenland sei, oder das Teletubbieland stand mehrmals in der Luft. Mal hat sie jemand ausgesprochen, mal wurde drüber diskutiert und mal war das alles garnicht nötig. Geniessen konnte man die Landschaft zum Glück jedes Mal.
Zwei Tage der Reise führten am berühmten Loch Lomond vorbei, welches als schönstes Loch Schottlands gilt und obwohl ich jetzt kein großer Kenner bin reihe ich mich gerne in die Reihe derjenigen ein, die das behaupten. Das Loch ist so schön, dass die inoffizielle (und eigentliche) Nationalhymne Schottlands von ihm handelt. Wenn Schottland im Fussball gewinnt oder England verliert, ertönt auf den Rängen, in den Pubs und auf den Straßen:
O ye’ll tak’ the high road
and I’ll tak’ the low road
And I’ll be in Scotland afore ye
For me and my true love will never meet again
On the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond...
Nach zwei Tagen die man also am Loch entlang läuft, gehts dann in die Highlands und der eigentliche Teil der Reise beginnt! Unbewohnte Flächen soweit das Auge reicht. Keine Häuser, wenige Strassen und Schafe und Kühe die mal auf dem Weg und öfters neben dem Weg stehen. Mittendrin wir!
Ein Erlebnis von dem ich erzählen muss: Eine Nacht haben wir mitten in der Wildnis unser Lager aufgeschlagen. Im grössten unbewohnten Gebiet Großbritanniens gibt es einen kleinen Hügel.
Am Horizont erscheint alle paar Minuten mal ein klitzekleines Licht: ein Auto auf einer fernen Strasse.
Im Windschatten des Hügels ein knallorangenes Zelt.
Feuerholz: wenig.
Feuer machen: unmöglich.
Auf dem Hügel: wir vier und eine Flasche Rotwein.
Auf unserer Rechten geht die Sonne unter, direkt vor uns ist ein Hügel noch in Sonnenlicht getaucht! Alles andere liegt bereits im Schatten.
Der Wind ist Sanft und alleine in der Welt der Geräusche.
Nachts im Zelt hört man die Kühe als stünden sie keine 5 Meter entfernt, dabei weiss man ganz genau, dass die letzten Kühe auf dem Weg schon mehrere Kilometer zurück liegen.
Am nächsten Morgen tobt der Wind.
Wir wollen früh los damit wir ein bisschen Strecke zurücklegen können.
Das Zelt flattert laut und ich bin der letzte der nicht aus dem muggelig warmen Schlafsack kommt.
Draussen wird schonmal Wasser vom Bach geholt, das Besteck gewaschen und porridge gekocht.
Robin (einer der Mitstreiter) kommt auf die genial Idee die Plane abzumachen.
Das Zelt bricht praktisch über mir zusammen, ich muss aufstehen.
Kurze Zeit später beginnt der Marsch!
Ein wunderbarer Tag liegt vor uns.
Die letzten zwei Tage sind die atemberaubendsten und wir natürlich die glücklichen die genau dann scheiss Wetter bekommen. Könnt ich im nachhinein etwas am Wetter ändern: ich würds genau so lassen! Man darf nicht in Schottland wandern gehen und mit durchgehend schönem Wetter rechnen.
Das hat die Reise jedenfalls nochmal gut abgerundet und zur Folge gehabt, dass drei der vier übriggebliebenen die Rückreise im Kranken-status antreten mussten. Johannes musste in Aberdeen angekommen Kotzen und ich, der andere Johannes habe gezittert wie ein Junkie, bin vor und zurück gewippt wie ein Verrückter und hab geatmet wie ein Sterbender. Im Rückblick betrachtet waren das wohl körperlich gesehen welche der schlimmsten Stunden in meinem Leben. Wenn man dabei jedoch Geistig glücklich ist, vergehen auch diese sehr schnell!
So! Genug Ihnalt-loses und -volles für Heute!
Ich bin des schreibens müde, ihr hoffentlich nicht des lesens.
Mir gehts wie immer gut, ich geniesse das Leben und freue mich riesig, dass die Kinder wieder Leben in den Laden bringen (obwohl ein Tag mehr Ferien auch nicht geschadet hätte und Familie, Heim und Freunde auch gut tun würden)!
Hoffe, dass es euch auch gut geht!
Es ist jetzt kurz vor 4 und ich bin hippelig wie n Kleinkind am Abend vor seinem Geburtstag!
Gute Nacht und bis bald!
Johannes
Ps: Highlight der Ferien war übrigens die Ankunft eines Pakets aus dem Herzen Berlins mit vielen tollen Fotos die jetzt über meinem Schreibtisch zusammen mit den anderen hängen und mein Zimmer viel heimischer erscheinen lassen.
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