Montag, 4. Oktober 2010

Still alive!

Ja mich gibts noch :) ja mir gehts immernoch gut :) und ja mir macht das Ganze hier immernoch Spaß :)

Nur Zeit finde ich leider kaum noch welche! Also noch weniger als vorher, was sehr schade ist. Zum Glück sind aber demnächst Ferien  und da hoffe ich dann mal Zeit für meinen Blog zu finden. Da ja heute mein freier Tag ist, beginnt für mich morgen meine letzte Schulwoche vor den Ferien. Am Freitag verlassen dann die Kinder nach und nach das Gelände und wir fangen damit an die Ordnung im Haus wieder herzustellen :P bevor es dann am Samstag mit einem BSS Workshop (Behavioural Support Strategies) losgeht. Sinn der Sach ist es glaube ich zu lernen wie man sich in Extremsituaionen die Körperkontakt erforden verhält. Sprich wenn ein Kind agressiv wird, auf einen losgeht oder so. Aber den genauen Sinn erfahr ich dann bestimmt dort. Der geht 2 Tage von morgens irgendwann bis 17:30 soweit ich weiss, was angenehm ist weil ein normaler Arbeitstag hier bis 21 Uhr geht.

Apropos normaler Arbeitstag! Statt über Matthew zu schreiben, was mir jetzt zu lange dauern würde, denk ich mal, dass ich euch mal einen normalen Tag so ein bisschen beschreibe.

Montag ist für mich der schönste weil freie Tag :D und der ist in der Regel dringend nötig. Ich arbeite von Dienstag bis Sonntag, wobei ich am Sonntag meinen “Half day off” habe, was heisst dass ich "schon" um 17:30 schluss habe.

Von Dienstag bis Freitag fange ich um 7 Uhr an, entweder damit das Frühstück vorzubereiten oder ein Kind zu wecken. Das heisst, dass ich bis dahin geduscht, Zähne geputz, etc. haben muss. Und nicht zu vergessen: den Hügel hinaufgelaufen sein muss! Oben im Haus angekommen wird dann kurz mit der night-nurse gequatscht wie denn das Kind so geschlafen hat: irgendwelche Besonderheiten, epileptische Anfälle, von wann bis wann geschlafen etc. . Da ich nur Lewis wecken muss ist das bei mir relativ easy da er oft schon wach ist und ja nicht zur Schule muss und auch nicht zum Frühstück. Dadurch ist der Morgen halt relativ berechenbar!

Nach dem Gespräch mit der night-nurse werden also die Vorhänge in seiner Ecke und in seinem Zimmer aufgezogen, guten Morgen gewünscht und das Licht von Aquarium wieder angemacht. Dann gehts zum Medizinschrank zum Pillen-zusammenschmeissen (darf ich jetz endlich auch selber machen und muss nicht mehr auf jemanden warten ders machen kann). Er schluckt an einem Morgen mehr Medikamente als ich in den letzten 3-4 Jahren, brauche also schon n paar Minuten die richtigen Kapseln abzufüllen, die richtigen Tropfen zu tropfen und son komisches Nahrungsergänzungsmittel in seinen Smoothie zu mixen. Das Ergenbnis stell ich ihm dann vors Bett  und bereite seine Zabürste vor. Bis dahin ist es 7:30 Uhr. Bleiben mir also noch 10 min um sein Früstück vorzubereiten, was darin besteht entweder Brote zu schmieren oder Cornflakes und Milch vorzubereiten und je noch ne Frucht und ein Glas Wasser dazuzustellen. Um 7:40 Uhr ertönt dann der Gong zum zweiten mal woraufhin sich die komplette Hausgemeinschaft, außer Lewis, im Flur trifft um das morgendliche Gebet zu sprechen, ein Lied zu singen und von Aiden vorgelesen zu bekommen was am Tag so ansteht. Dafür stellen wir uns alle im Kreis um ein Tischlein auf dem eine Kerze brennt. Am Ende der ganzen prozedur darf dann Noah, unser kleinstes Mitglied im Haus, die Kerze auspusten und alle machen sich auf den Weg ins Esszimmer.

Dort gibts dann üppiges Frühstück mit Brot, Cornflakes, Früchten und allerlei Aufstrichen. Ich esse in der Regel mit Scott, was für mich bedeutet dass ich ihm erstmal seine Medizin andrehen muss. Das ist nicht immer ganz einfach, besonders wenn er keine Lust hat, denn dann dreht er durchgehend seinen Kopf weg und man muss ihm schön die Spritze durchgehend vor den Mund halten (scheint ziemlich ekliges Zeug zu sein). Einmal hat er sie bis zum Ende des Essens nicht genommen, was zu einem ziemlich steifen Arm meinerseits geführt hat und unsere House-coordinatorin ihn mehr oder weniger dazu zwingen musste sie zu nehmen. Aber meistens beschränkt sich das ganze auf unter 5 min. . Wenn Scott fertig ist mit seinen Spritzen und Pillen und dem Glas Wasser zum runterschlucken, muss er gefragt werden was er denn haben will. Die Antworten sind manchmal eindeutig, manchmal weniger eindeutig! Sobald man das jedenfalls herausgefunden hat,  kann man ihm dann das gewünschte vorbereiten. Danach darf ich dann auch essen, mit Unterbrechungen in denen er Nachschub benötigt.

Das Frühstück nimmt rund 40-50 min des Tages ein und wird gefolgt vom gemeinsamen Abwasch der dann nochmal n Weilchen dauert. In der Regel kann ich danach kurz durchatmen und auf Richard, Lewis' Lehrer warten. Sobald mit Richard das übliche “wie gehts Lewis” Gespräch beendet ist, lauf ich runter zur Schule. Die beginnt um 9:15 Uhr und geht bis 12:30 und beinhaltet eine Stunde Pause für mich in der ich in der Regel Schlaf nachhole.

Danach gehts wieder nach St. Christophers (das Haus in dem ich arbeite), Lewis “von der Schule abholen” und sein Mittag vorbereiten. Dann wird noch schnell das Essen auf den Tisch getragen und dann gegessen. Das Mittagessen ist dem Frühstück vom Ablauf her ähnlich, nur dass am Tisch gesungen wird und fast immer das selbe Lied!

The Lord is good to me,
and so I thank the Lord!
For giving me the things I need,
The sun the rain an the apple seed.
The Lord is good to me.

An every seed that falls,
will grow in to a tree,
and one day there'll,
be apples there,
for everyone in the world to share!
The Lord is good to me.

Halleluja, Amen!

Viele von euch werden sich wahrscheinlich wundern, dass ich da mitsinge (nicht nur wegen meiner weltbekannten Gesangskünste!) aber nach einiger Zeit hier gewöhnt man sich halt daran dem lieben Gott zu danken statt der Köchin. Freu mich zwar immernoch nicht darüber, aber es ist halt ne chrisilich orientierte Einrichtung.

Das Essen inklusive Abwasch dauert idealerweise eine Stunde (ist nicht immer der Fall) und dann beginnt die Resthour. Eine Stunde Pause (:D) in der ich mich wieder aufs Ohr hauen oder mal meine Mails checken und Facebook suchten kann.

Um 15 Uhr geht dann das Nachmittagsprogramm los. Je nachdem ob ich mit Scott oder Lewis bin (die+do:Scott, mi+fr:Lew) verbringe ich den ganzen Nachmittag drinnen oder draußen. Mit Lewis mach ich dann so sachen wie ihm vorlesen oder versuchen ihn zu baden (ist mir bis jetzt noch nicht gelungen, er kennt mich noch nicht gut genug) und änliches. Mit Scott gehen wir (sind in der Regel zu zweit mit ihm) spazieren, zum Spielplatz oder Schwimmen. Er hat jedoch auch gewisse Aufgaben zu erfüllen. Donnerstags z.B. hat er bisher immer den Kompost weggebracht und ähnliches. All das machen wir zwischen 15 Uhr und 21 Uhr. Um 17:30 Uhr (!!!) gibts Abendessen, da wird dann nicht mehr gesungen und das dauert dann bis ca. 19 Uhr erfahrungsgemäß (inklusive Abwasch).

Um 21 Uhr findet dann das “wie gehts Lewis/Scott” Gespräch mit der nächste night-nurse statt und ich bin entlassen :D. In der Regel mach ich dann Abends noch was mit den anderen Co-Workern, sei es Fussball, Basketball, Volleyball , Lagerfeuer, Filmeabend oder einfach feiern. Hab in den letzten 2 Wochen glaub ich nur zwei Abende auf meinem Zimmer verbracht weil ich einfach mal schlafen musste.

Das Wochenendprogramm sieht noch mal n bisschen anders aus, beinhaltet viel putzen, weniger Kinder im Haus und Arbeitsbeginn erst um 8.

Vielleicht kommt ja noch mal n Wochenend-special :P aber für mich ist jetzt erstmal wieder Schluss denn heute Abend wird mal wieder gefeiert und ich muss noch duschen.

Ich hoffe dass es euch allen bestens geht

Cheers
Johannes

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