Montag, 16. August 2010

Cheers

Unendlich viel ist passiert, unendlich viel werd ich nicht schreiben!An einer kleinen Zusammenfassung werd ich mich jedoch versuchen!
First things first: mir gehts super! Hab im Moment das Gefühl am richtigen Ort zu sein (und das liegt nicht am unschottischen Wetter). Ich lerne sehr viel, schlafe sehr wenig und genieße die Zeit in vollen Zügen.
Was mich am meisten beschäftigt bisher sind natürlich die Kinder. Mein Tag ist in zwei Teile einzuteilen: Schule und Haus. Morgens gehts um 7 im Haus los, um 9:15 geht die Schule los (1min Fußweg) und um 12:30 gehts dann im Haus weiter. Ich bin vier Kindern hauptsächlich zugeteilt: Lewis und Scott zu hause und Abbass und Jon in der Schule.
Alle sind sehr unterschiedliche Kinder und alle haben Probleme die für die meisten Menschen absolut nicht nachvollziehbar sind und für mich schwer zu beschreiben weil mein Durchblick nach einer Woche noch nicht ganz so gross ist. Lewis z.B. verbringt den Grossteil seines Tages im oberen Teil des Hauses. Er verlässt das Haus nur beim fangen spielen solange er hier ist. Zu Essen bringen wir ihm immer dann nach oben wenn wir selber Essen was aber nicht heisst dass er gleichzeitig mit dem Rest des Hauses ist. Meistens fängt er mit dem Frühstück an, wenn alle anderen bereits mit dem Abendbrot fertig sind. Vorher schafft ers nicht. Dann isst er jedoch alle drei Mahlzeiten auf einmal! Mit dem Zähneputzen ist es ähnlich, wir bereiten seine Zahnbürste vor aber er putzt sich nur sehr selten die Zähne. Er hat Probleme damit die einfachsten Dinge im Leben zu meistern weils einfach zu viel ist für ihn. So hab ich mir z.B. erzählen lassen dass es Stunden dauern kann bis er es schafft durch eine Tür zu laufen. In der zwischenzeit hält er sich oft die Ohren zu, besonders wenn man versucht mit ihm zu reden und nuschelt vor sich hin. Ab und zu hört man dann sehr deutlich Sachen wie "Stop" oder "Help" heraus was sich nicht umbedingt auf irgendwas was um ihn herum oder mit ihm passiert beziehen muss. Wenn er allein gelassen werden will sagt er dann auch "Go away". Lewis braucht sehr klare Strukturen im Leben um mit allem klarzukommen, so hat er z.B. einen Stundenplan für den ganzen Tag wo auch banal scheinende Sachen wie Aufwachen oder Zähneputzen draufstehen.
Mit Scott werd ich zu Hause am zweit-meisten zu tun haben. Er is das Gegenteil von Lewis in vielerlei Hinsicht. Scotti verbringt seine Zeit am liebsten draussen. Einer der ersten Sätze die ich geört hab als ich mit ihm zusammen gearbeitet hab war: "Das wichtigste wenn du mit Scott arbeitest ist dass er am Leben bleibt!".
Das war schonmal n ganz schöner Schock und die Erklärung dafür ist relativ einfach: Scott hat kein Gefühl für Gefahren. Ausserdem ist Scott nicht selbstständig, braucht also durchgehend jemanden der sich um ihn kümmert! Genau wie Lewis ist auch Scott Autist. Hinzu kommt das Scott inkontinent ist, was zur Folge hat dass ich mich jetzt schon ans Windelnwechseln gewöhnen werden muss. Gewaschen werden muss er auch, aber die Hemmungen auf meiner Seite sind in beiden Fällen schon am schwinden und er ist es ja so oder so gewohnt von anderen gewaschen zu werden.
Mit Scott unterwegs sein macht Spass und ist einer ganz neue Erfahrung. Es ist ein ziemlich komisches Gefühl eine Strecke vor sich zu haben die eigentlich 5-10 Minuten dauert aber nach einer Stunde noch nicht bewältigt ist. Das ist nicht immer der Fall und liegt auch nicht daran dass Scott ein langsamer Läufer ist (im Gegenteil) sondern daran dass er sich halt sehr oft einfach an den Strassenrand setzt und dort Gras zupft um es dann auf eine faszinierende Art und Weise mit Mittel- und Zeigefinger wegzuschnipsen. In dem Fall gibt es zwei Optionen: man versucht auf ihn einzureden und signalisiert ihm dass man weitermuss oder man chillt und wartet bis er wieder aufsteht und hofft dass er in die richtige Richtung weiterläuft. Ihn hochheben darf man nicht, wäre auch verrückt die Last eines 16jährigen mehrmals die Stunde zu heben. Wenn er erstmal Läuft muss man ihn davon ablenken zu seinen Lieblingsplätzen zu rennen (Sandkästen, Schaukeln die es hier überall gibt (:D) etc.) und hoffen dass ernicht losrennt. Es ist also eine sportlich sehr aktive Zeit die man mit Scott verbringt.
Man muss ausserdem nicht nur aufmerksam sein weil er Gefahren nicht erkennt sondern auch weil sowohl Lewis als auch Scott Epileptiker sind. Lewis hat selterner Anfälle, braucht dafür aber viel länger um sich von ihnen zu erholen während Scott oft Anfälle hat (auch mehrmals täglich) sich aber relativ schnell erholt. Die Anfälle sind unterschiedlich lang und auch von der Wirkung unterschiedlich, mal ist "nur" der Kopf der wegsackt, mal ist es der Oberkörper und mal fällt er hin. Dann ist er für kurze Zeit nicht ansprechbar und braucht ein bisl um wieder zu realisieren wo er eigentlich ist etc. . Epilepsie-training bekomm ich zum Glück noch und freu mich schon drauf!


Ich könnte jetzt noch Stunden weiter erzählen auch über die anderen Kindern und alles was mich so beschäftigt aber ich hör jetzt für heute auf und hoffe mal dass ich Morgen oder Übermorgen dazu kommen werde euch etwas über Jon und Abbass zu erzählen und natürlich über meine Hausgemeinschaft und den ganzen 
Laden hier :)

Have a good night everybody

2 Kommentare:

  1. Wow das klingt echt wie eine total neue lebenserfahrung.
    respekt.
    ist bestimmt nicht immer sooo einfach oder?
    aber du packst das joker ;)

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  2. ne isses nich aber man hat ja immer die möglichkeit nach hilfe zu fragen :) von daher gehts!

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